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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Hermann Brochs poethologisches Programm und dichterische Praxis. Zur Verantwortung des Intellektuellen in dem Roman Die Verzauberung

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Grazyna Kwiecinska

Im Kapitel „Literarische Arbeit 1928-1936“ seiner Autobiographie als Arbeitsprogramm schrieb Hermann Broch 1941 über seinen unvollendeten Roman, der aufgrund von mehreren Fassungen mit unterschiedlichen Titeln von der Brochforschung als Berg-Roman bezeichnet wird, mit überzeugender Selbstverständlichkeit:

[...] in diesem Roman habe ich versucht das deutsche Geschehen mit all seinen magischen und mystischen Hintergründen, mit seinen massenwahnartigen Trieben, mit seiner „nüchternen Blindheit und seiner nüchternen Berauschtheit“ in seinen Wurzeln aufzudecken, d.h. nicht abzukonterfeien, sondern es auf eine dichterisch einfachste Formel zu bringen, um solcherart das eigentlich Menschliche, wie es aus den Tiefen der Seele und ihrer Naturverbundenheit aufsteigt, zum Ausdruck zu bringen. Meine Hoffnung bei alldem war: die erzieherische Wirkung ethischer Dichtung.1

Er habe, bekennt er in demselben Text, in seinen bisherigen Werken sich stets um „exoterische Wirkung mit Hilfe dichterischer Mittel“ bemüht.2 Beide angeführten Zitate formulieren ein eindeutiges poetologisches Programm, das auf ein bewusstes Umsetzen der Zeiterfahrung des Autors und seiner geschichtsphilosophischen Konzeption in Literatur zielt. Doch während er im Rückblick seine dichterische Absicht so schlicht und selbstverständlich definiert, erweist sich für ihn die dichterische Praxis viel komplizierter. Spätestens in der Mitte der dreißiger Jahre tritt in Brochs Schriften ein Legitimationsbedürfnis für Literatur, für Kunst überhaupt, in den Vordergrund. Seine Schriften zur Kultur aus dieser Zeit sind ein Versuch, der Kunst eine besondere Bedeutung zu verleihen. In drei Aufsätzen aus dieser Zeit Leben ohne platonische Idee...

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