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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Edited By Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Zeigen statt belehren, ermächtigen statt predigen: Walter Kempowski als Chronist und Realist

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Sascha Feuchert

Vielleicht mag es bei einem Aufsatz zu realistischen Erzählern, die immer auch Anekdoten-Jongleure sind, statthaft sein, einen wissenschaftlichen Beitrag einmal mit einer eigenen Erinnerung beginnen zu lassen: Als ich zum ersten Mal von Walter Kempowski hörte, war ich in der neunten Klasse des Gymnasiums und mein damaliger Deutschlehrer teilte einen Auszug aus Tadellöser und Wolff aus, Kempowskis großem Roman über die Geschichte seiner Familie im Dritten Reich. Das Thema war eigentlich Jugendsprache und ihre Veränderung, doch wies mein Lehrer nachdrücklich darauf hin, Kempowskis Texte seien eigentlich aus einem ganz anderen Grund faszinierend: Hier erzähle einer realistisch mitten aus dem Alltag im Dritten Reich, und das sei sogar komisch, aber auf gar keinen Fall platt, sondern sehr literarisch. Das war für mich als Perspektive völlig neu und sofort aufregend: Ein Chronist dieser Zeit, der nicht als Opfer sprach, aber auch nicht als Täter; wohl aber einer, der zu erklären versuchte, wie es dazu kommen konnte, wie gerade jene Schicht, der er sich zugehörig fühlte, das Bürgertum, die Nationalsozialisten durch seine Anpassung hatte gewähren lassen. Mehr vielleicht noch: wie es sie mit ermöglicht hatte. In Tadellöser und Wolff, das ich in den kommenden Tagen sogleich verschlang, wird diese Haltung an einem Detail besonders augenfällig: Zwar macht sich die Familie über die SA und ihre Uniformen lustig – wie „Ascheimerleute“ würden sie aussehen – und doch erfährt man beil...

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