Show Less
Restricted access

Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

Series:

Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
Show Summary Details
Restricted access

Scherz und Ethos in Karl Kraus’ Ehrenkreuz

Extract



Sigurd Paul Scheichl

Von etwa 1902 bis 1908 dominiert in Karl Kraus’ Zeitschrift Die Fackel das Thema ‚Sittlichkeit und Kriminalität‘. Kraus’ satirische und polemische Texte wie seine kritischen Analysen der Justiz hatten auch die damals geplante Reform des österreichischen Strafgesetzes im Auge, die er, allerdings nicht ausdrücklich, publizistisch unterstützte. Grundgedanke der 1908 in seinem ersten Buch, eben Sittlichkeit und Kriminalität1, gesammelten Arbeiten ist die Forderung, der Gesetzgeber solle sich von jeder Regelung des Privat-, zumal des Sexuallebens fern halten. Viele dieser Polemiken – und es sind in der Regel eher Polemiken gegen einzelne Personen oder Institutionen als verallgemeinernde Satiren – greifen bestimmte Richter wegen unfairer Verhandlungsführung und überstrenger Urteile an, sehr oft verteidigen sie Frauen gegen eine tendenziell immer die Partei des Mannes ergreifende Rechtssprechung.2 Die meisten dieser Aufsätze gehen von konkreten Prozessen, genauer: von der (damals sehr ausführlichen) Berichterstattung der Zeitungen über diese aus.

Im Protest speziell gegen richterliche und journalistische Frauenfeindlichkeit ergriff Kraus auch Partei für die Prostituierten. Er selbst dürfte, in einer Zeit, in der in Wien die Prostitution, auf der Straße wie in ‚Salons‘, allgegenwärtig gewesen zu sein scheint, das Milieu gekannt haben,3 dem über Wien hinaus Aufsehen erregenden Prozess gegen die ausbeuterische Wiener Bordellwirtin ← 225 | 226 → Regine Riehl (1906)4 hat er sogar beigewohnt, als Vertrauensperson, höchstwahrscheinlich auf Vorschlag einer der betroffenen Prostituierten.5

Während die konkrete Justizkritik mit dem Erscheinen des Buches Sittlichkeit und Kriminalit...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.