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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Vervielfachte Umarmungen. Moderne Treulose und ihre ethischen Dilemmata

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Joanna Drynda

Weder Anna Karenina noch Emma Bovary hätten hinscheiden müssen, wären sie darüber aufgeklärt worden, dass Treue keine Lösung sei,1 dass man nur richtig mit Affären umgehen müsse, wenn die Liebe mal fremdgeht.2 Wären sie in das Geheimnis eingeweiht worden, dass es über einhundert Gründe gebe, offen zu lieben,3 hätten sie vielleicht die „Untreue als Chance“4 für einen neuen Aufbruch betrachtet…

Beide Romanfiguren illustrieren das bittere Los verheirateter Frauen, die sich einst einen Liebhaber gestatteten: Kam das Verhältnis heraus, war ihr Ruf ruiniert und ihre Existenz zerstört. Auf der Folie gegenwärtiger Phänomene scheinen außereheliche Liaisons ihrer einstigen Tragik zu entbehren. Schon ein oberflächlicher Blick darauf, in welchem Umfang Untreuen und/oder Betrogenen die „nützliche und hilfreiche Ehebruch-Literatur“5 angeboten wird, hinterlässt den Eindruck, Monogamie werde als Ideal zur Seite geschoben, die Treue sei „eine unrettbar altmodische Tugend, die der zeitgemäß flexiblen Lebensweise nicht mehr entspricht“6. In die emotionale Textur der enthemmten Liebe werden in der Welt unendlicher Freiheiten Verlassen, Verstoßen und Verraten unzertrennlich eingeschrieben. Für diejenigen, die sich vom romantischem Exklusivitätsanspruch überfordert fühlen, hält die Polyamorie7 einen Ausweg offen: Für Polyamouröse, die mehrere Partner zugleich lieben, bleibt die Ausschließlichkeit selbst im Sinne serieller Monogamie prinzipiell ohne Relevanz.

Der kulturelle Wandel von Liebe wird einerseits mit der fundamentalen Bindungsunfähigkeit moderner...

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