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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Edited By Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Ethik / Politik / Geschichte

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← 356 | 357 → Ein Polyhistor zweifelt. Reinhart Koselleck und die Hierarchie der Toten

Hubert Orłowski

Nach Reinhart Kosellecks Tod erfahren er selbst als Persönlichkeit, sein Werk als Ganzes sowie auch seine Konzeptualisierungen ein kaum vorgeahntes Interesse. Weltweit werden Projekte entworfen und mitfinanziert, deren Autoren sich verpflichten, sein Schaffen aus der Perspektive unterschiedlichster Methoden analytisch zu behandeln; selbst solche Projekte werden gefördert, die den Forschungsdomänen des großen Polyhistors fern gewesen sind. Gefragt ist vor allem sein „innovative[s] und im positiven Sinne risikobehaftete[s] Denken“1. Mit anderen Worten: Augenblicklich findet eine extraordinäre Aufwertung der ‚globalen‘ Gewichtigkeit des Geistes- und Sozialwissenschaftlers Koselleck als solchen statt. Als Beispiel möge das Projekt „The European Conceptual History Project (ECHP): Mission Statement“2 gelten, welches auf das imponierende Großprojekt „Geschichtliche Grundbegriffe“ zurückgreift, an welchem ja Koselleck als Initiator und Ausführender maßgebend beteiligt gewesen war.

Mein besonderes Interesse gilt allerdings einer konkreten aktuellen Projektausschreibung, nämlich dem Projekt „Psychobiologie menschlicher Gewalt- und Tötungsbereitschaft“; nicht zuletzt wegen der perspektivischen Ausrichtung dieses Konzepts. In dieser Ausschreibung werden nämlich überdeutlich sowohl Kernfragen des 20.-21. Jahrhunderts angesprochen als auch Kategorien-Ensembles fokussiert, die in nuce auf Kosellecks (erst) spät, an seinem Lebensabend, schriftlich ausformulierte Gewalterfahrungen sowie deren adäquate Memoria zutreffen:

Organisierte und instrumentelle Aggression und Gewalt durch junge Männer sind allen Kulturen eigen. In fortwährenden Wellen der Gewalt zermalmen sich die ausbreitenden Krisenregionen der Welt. [...] Wenn in...

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