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Repräsentationen des Ethischen

Festschrift für Joanna Jabłkowska- Herausgegeben von Kalina Kupczyńska und Artur Pełka

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Edited By Kalina Kupczynska and Artur Pelka

Im Mittelpunkt dieser Festschrift für Professorin Joanna Jabłkowska stehen Fragen, die im Zusammenhang mit dem kulturwissenschaftlichen ethical turn in der rezenten literaturwissenschaftlichen Forschung diskutiert werden. Der Zusammenhang zwischen Ethik und Literatur wird sowohl theoretisch erfasst als auch in zahlreichen Einzelanalysen literarischer Werke diskutiert. Die literaturwissenschaftliche Perspektive wird ergänzt durch philosophische und politische Betrachtungsweisen.
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Revolution als utopische Erinnerung bei Gustav Landauer

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Anna Wołkowicz

Gustav Landauers utopische Geschichtsphilosophie widersetzt sich dem positivistischen Ideal einer objektiven Geschichtswissenschaft, die erforschen soll, „wie es eigentlich gewesen ist“, und fordert eine teilnehmende Vergegenwärtigung der Geschichte, die nicht abgeschlossen ist, sondern „unter dem Einfluß unseres Willens, unsrer gegenwärtigen Zustände, [...] unsres Weges steht“1. Der zu einem „Bild“ erstarrten, „fertigen“ Scheinvergangenheit, „die wir gewahren, wenn wir zurückblicken“, stellt sie eine unfertige, immer noch werdende, in uns wirkende Vergangenheit (die eigentlich Zukunft ist) entgegen:

Anders ausgedrückt heißt das, daß die Vergangenheit nicht etwas Fertiges ist, sondern etwas Werdendes. Es gibt für uns nur Weg, nur Zukunft; auch die Vergangenheit ist Zukunft, die mit unserem Weiterschreiten wird, sich verändert, anders gewesen ist. [...] Was immer wir tun, die herüberlangenden und durchgreifenden lebendigen Mächte des Vergangenen tun es durch uns hindurch. [...] Alles was in jedem Moment überall geschieht, ist die Vergangenheit. Ich sage nicht, daß es die Wirkung der Vergangenheit ist; ich sage, sie ist es. [...] Die Vergangenheit, die lebendig in uns ist, stürzt mit jedem Augenblick in die Zukunft hinein, sie ist Bewegung, sie ist Weg. (R 26-28)

So muss unser erstarrendes Bild der Vergangenheit „von Zeit zu Zeit [...] in einer Revolution der Geschichtsbetrachtung, revidiert, umgestürzt und neu aufgebaut werden“ (R 27f.); und so erscheint auch die Geschichte selbst vom Prinzip der Revolution bestimmt. Norbert Altenhofer, der für Landauers Umgang mit dem Vergangenen die Formel „Geschichtsphilosophie der Diskontinuität...

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