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Literatur, Utopie und Lebenskunst

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Edited By Elzbieta Kapral and Karolina Sidowska

Den Kern des vorliegenden Bandes bilden die Beiträge, die an der interdisziplinären Konferenz Literatur und Utopie (Łódź 2012) präsentiert wurden. Der Band beinhaltet vor allem jene Texte, deren Autoren sich mit dem breit verstandenen Thema der Utopie in der Literatur befassten. Schon den Titeln der Beiträge lässt sich entnehmen, dass das Thema der Utopie in der Literatur vielschichtig und auf keinen Fall nur auf eine (literarische) Epoche festzulegen ist. Die einzelnen Texte und die unterschiedlichsten Herangehensweisen der Autoren an die im Titel des Bandes angesprochene Problematik weisen auf dieses Facettenreichtum hin und liefern Inspiration zu einer intensiveren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema.
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Der literarische Nicht-Ort Danzig-Gdańsk

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Joanna Bednarska-Kociołek

Das zerstörte Danzig sprach von der Vergänglichkeit menschlichen Tuns. Vielleicht dämmerte mir gerade damals, als ich wieder einmal durch die Ruinen streifte, die Ahnung, dass diese Stadt wohl weiterleben könnte – aber nur in der Kunst.

(Stefan Chwin)

Die literarischen Städte Danzig-Gdańsk, Breslau-Wrocław oder Stettin-Szczecin sind Orte, die nicht wirklich existieren. In diesem Sinne sind sie utopische Nicht-Orte, obwohl sie die authentischen Städte repräsentieren. Sie fungieren als lieux de memoire – Gedächtnisorte.1 Sie stellen zwar konkrete Ortschaften dar, die man auf der Landkarte finden kann, aber sie werden, Pierre Nora zufolge, nicht im rein geographisch-topographischen Sinne als Gedächtnisorte, sondern als „die Zeugenberge eines anderen Zeitalters, Ewigkeitsillusionen”2 bezeichnet. Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts sind zahlreiche Bücher entstanden, in denen die Heimat in Bezug auf die verlorene Welt der Kindheit auf eine nostalgische und zugleich utopische Art und Weise beschrieben wird. Paweł Huelle sagt, dass die einzig wahre Heimat jedes Menschen (aber vor allem eines Schriftstellers) in der eigenen Kindheit liege.3 Da jedoch diese Kindheit meistens aus der Perspektive des erwachsenen Erzählers reflektiert ist, wird sie zur Utopie und die reale Welt wird durch das Erzählen mythologisiert, wie dies Bruno Schulz in Mityzacja rzeczywistości4 feststellt. Literarische Beispiele für diesen Vorgang liefern die Werke von Horst Bienek, Günter Grass, Halina Auderska, Czesław Miłosz, Wilhelm Dichter, Stefan Chwin, Paweł Huelle, Artur Daniel Liskowacki...

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