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Literatur, Utopie und Lebenskunst

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Edited By Elzbieta Kapral and Karolina Sidowska

Den Kern des vorliegenden Bandes bilden die Beiträge, die an der interdisziplinären Konferenz Literatur und Utopie (Łódź 2012) präsentiert wurden. Der Band beinhaltet vor allem jene Texte, deren Autoren sich mit dem breit verstandenen Thema der Utopie in der Literatur befassten. Schon den Titeln der Beiträge lässt sich entnehmen, dass das Thema der Utopie in der Literatur vielschichtig und auf keinen Fall nur auf eine (literarische) Epoche festzulegen ist. Die einzelnen Texte und die unterschiedlichsten Herangehensweisen der Autoren an die im Titel des Bandes angesprochene Problematik weisen auf dieses Facettenreichtum hin und liefern Inspiration zu einer intensiveren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema.
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Un-Ort, Utopie. Zur Funktion der Stadt Danzig im Schaffen von Günter Grass

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1

Joanna Jabłkowska

I

In Günter Grass’ Roman Unkenrufe wird die Idee eines Versöhnungsfriedhofs entwickelt, auf dem – nach ihrem Hinscheiden – die ehemaligen Danziger, die die Stadt nach 1945 verlassen mussten, ihre letzte Ruhestätte finden könnten. Der Erzähler zeichnet eine mental map2 Danzigs, indem er die Helden nach einem entsprechenden Ort für den genannten Friedhof suchen lässt. Unter anderem finden wir im Text eine Beschreibung der „Vereinigten Friedhöfe“ – sie geht von dem heutigen Zustand ihres Geländes aus und rekonstruiert ihre frühere Lage:

Das später Park Akademicki genannte Gelände gab zwischen der Poliklinik und der Technischen Hochschule, der parallel verlaufenden Großen Allee und dem zum Krematorium führenden Michaelisweg Raum für den […] Friedhof der katholischen Kirchengemeinden […]; für den sich anschließenden […] evangelischen Sankt Marienfriedhof, auf dessen zum Michaelisweg liegendem Teil das Szpital Studencki gebaut wurde; für den […] evangelischen Sankt Katharinenfriedhof, auf dessen östlichem Teil einige neue Gebäude der vormals Technischen Hochschule, dann Politechnika Gdańska Platz genommen hatten […]. Auch der Urnenfriedhof wurde bis Ende der sechziger Jahre eingeebnet und später als öffentliche Anlage unter dem Namen „Park XXV-lecia PRL“ […] zur allgemeinen Nutzung freigegeben.3

Das in dieser Beschreibung gezeichnete Bild hat die Struktur eines umgekehrten Palimpsests. Nicht der alte Friedhof bildet die untere Schicht, sondern die neue sozialistische Architektur, die lediglich angedeutet wird. Auf der sichtbaren, im Text beschriebenen Oberfläche wird die topographische...

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