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Literatur, Utopie und Lebenskunst

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Edited By Elzbieta Kapral and Karolina Sidowska

Den Kern des vorliegenden Bandes bilden die Beiträge, die an der interdisziplinären Konferenz Literatur und Utopie (Łódź 2012) präsentiert wurden. Der Band beinhaltet vor allem jene Texte, deren Autoren sich mit dem breit verstandenen Thema der Utopie in der Literatur befassten. Schon den Titeln der Beiträge lässt sich entnehmen, dass das Thema der Utopie in der Literatur vielschichtig und auf keinen Fall nur auf eine (literarische) Epoche festzulegen ist. Die einzelnen Texte und die unterschiedlichsten Herangehensweisen der Autoren an die im Titel des Bandes angesprochene Problematik weisen auf dieses Facettenreichtum hin und liefern Inspiration zu einer intensiveren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema.
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Utopischer Wunsch nach dem Glück im Schaffen Michel Houellebecqs

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1

Karolina Sidowska

Als „neuer Deprimismus“2 oder „masochistischer Realismus“3 wurde Houellebecqs Stil von Rezensenten bezeichnet. In zahlreichen Interviews und öffentlichen Auftritten wirkt er als Autor entsprechend zurückhaltend, gekränkt, lebensmüde.4 Auch wenn es zum großen Teil nur eine mediale Pose ist, macht sie einen authentischen Eindruck. Und tatsächlich erscheint ein solcher Gemütszustand sehr überzeugend als Quelle des utopischen Denkens. Utopie entspringt der Enttäuschung und Unzufriedenheit mit der Wirklichkeit. In einer gesteigerten Form kippen diese Gefühle in einen Ekel um, der dazu führt, vom realen Leben in die phantastischen Welten eigener Vorstellungskraft zu flüchten. So schreibt Houellebecq in seinem Essay über Howard Phillips Lovecraft mit dem programmatischen Titel Gegen die Welt, gegen das Leben: „Wer das Leben liebt, liest nicht. Und geht erst recht nicht ins Kino. Was immer auch darüber ← 151 | 152 → gesagt wird, der Zugang zum künstlerischen Universum ist mehr oder weniger für jene reserviert, die ein wenig die Schnauze voll haben.“5

Auf der anderen Seite ist Utopie als ein Nicht-Ort ex definitione unmöglich, nicht realisierbar.6 Manche behaupten zwar, utopische Vorstellungen seien historisch bedingt und die Verwirklichung diverser fantastischer Ideen sei im Laufe der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nicht ausgeschlossen. Doch umgesetzt, hören sie auf, utopisch zu sein. Die Utopie existiert nur als ein Produkt der Vorstellungskraft, ein schönes Projekt, ein Entwurf einer besseren Welt – im Gegensatz zu bösen Visionen und Träumen, die...

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