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Formen des Nicht-Verstehens

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Oliver Niebuhr

Für viele Sprachwissenschaftler ebenso wie für Sprachbenutzer ist Nicht-Verstehen eine unabsichtlich entstehende Randerscheinung in der Kommunikation, die es zu vermeiden gilt. Die Beiträge in diesem Band rücken das negative Image des Nicht-Verstehens ein wenig zurecht. Sie analysieren und kategorisieren die Formen des Nicht-Verstehens aus unterschiedlichen ingenieurs- wie geisteswissenschaftlichen Blickwinkeln heraus für verschiedene Sprachen und Medien. Nicht-Verstehen ist – mal mehr, mal weniger ausgeprägt – in geschriebener wie gesprochener Sprache allgegenwärtig und wird von Sprachbenutzern auch gezielt instrumentalisiert. Zudem werden einige Formen des Nicht-Verstehens überschätzt – oder durch die Forschung selbst erst geschaffen, die das (Nicht-)Verstehen noch nicht verstanden hat.
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Evelin Graupe / Karin Görs / Oliver Niebuhr: Phonologische Prozesse im Deutschen – Behinderung oder Bereicherung der lautsprachlichen Kommunikation?

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Phonologische Prozesse im Deutschen – Behinderung oder Bereicherung der lautsprachlichen Kommunikation?

Evelin Graupe / Karin Görs / Oliver Niebuhr (Kiel)

1. Einleitung

Während wir in geschriebener Sprache Wörter durch Leerzeichen trennen, ist das akustische Sprachsignal in der mündlichen Kommunikation kontinuierlich.Wir machen typischerweise keine Pausen nach jedem Wort einer Äußerung. Ebenso können Unterbrechungen innerhalb von Wörtern auftreten, die jedoch den Hörer nicht daran hindern, die akustischen Stückchen zusammenzusetzen und Wörter als Ganzes wahrzunehmen. Offensichtlich wird das kontinuierliche akustische Signal auf die lexikalischen Kategorien im Gedächtnis abgebildet, was natürlich der Kenntnis der lautlichen Form von Wörtern bedarf. Kritisch ist hierbei, dass die detaillierte akustische Gestalt ein und desselben Wortes sehr unterschiedlich sein kann. Sie variiert zum Beispiel in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht, sowie dem emotionalen und gesundheitlichen Zustand eines Sprechers, von dessen dialektaler Prägung, Sprechgeschwindigkeit und Sprechregister oder auch vom Sprechrhythmus, dem Status eines Wortes in der Informationsstruktur des Gesprächs und den akustischen Eigenschaften der Umgebung. Zudem wird ein Sprecher allein aufgrund biomechanischer Beschränkungen nie zwei akustisch identische Versionen eines Wortes produzieren können. Dennoch sind Hörer problemlos und dem subjektiven Empfinden nach praktisch mühelos in der Lage, Wörter korrekt zu dekodieren.

Die Realisation einzelner Sprachlaute wird vor allem durch ihren lautlichen Kontext beeinflusst. Beispielsweise werden die beiden Instanzen von /k/ in der Wortverbindung Kieler Kuhle (ein Schülercafé auf dem Kieler Ostufer) durch Einfl...

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