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Niccolò Machiavelli – Die Macht und der Schein

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Dirk Hoeges

Machiavelli entwirft die Figur des modernen Herrschers im Spannungsverhältnis von Macht und Schein. Nichts sein – alles scheinen wird zur Bedingung für Erwerb und Erhalt von Macht. Dabei ist Machiavellis Entdeckung und Nutzung der Perspektive für das Wesen des Politischen entscheidend. Unter die Perspektive diffuser Beobachter geraten, wird Herrschaft von der Inszenierung abhängig. Macht ohne Schein scheitert wie Schein ohne Macht. Es schlägt die Stunde der Medien. Sie arbeiten am Schein. Durch präzise Textanalyse wird der «Fürst» als komplexe Kunstfigur sichtbar. Machiavellis berühmtester Text wie sein umfangreiches Gesamtwerk aus Prosa und Poesie ist nur mittels Ästhetik und Rhetorik zu verstehen. Es zeigt den kritischen Humanisten und gewandten Politiker als Meister vieler literarischer Formen, mit denen er von Jugend an vertraut wurde.
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Die Inszenierung – Landleben

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Machiavelli, 1513 im Exil in San Casciano bei Florenz, schreibt dort «Il principe», die «Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio» und mehr: Briefe, Theaterstücke, Intermezzi, Kompositionen, Gedichte und Geschichte.

Die «Discorsi» sind Zanobi Buondelmonti und Cosimo Rucellai zugeeignet, seinen jungen Freunden aus dem Florentiner Intellektuellen-Zirkel der «Orti Oricellari».

«Il principe» widmet er Lorenzo (di Piero) de Medici. Der Grund ist bekannt; er hoffte, in den politischen Dienst von Florenz zurückkehren zu können, und die Medici waren seit 1512 wieder an der Macht. Doch es half nichts, die Zeit war noch nicht so weit; sie verdächtigten ihn weiter, an einer Verschwörung gegen sie beteiligt gewesen zu sein. Er leidet in San Casciano. Das Landleben kann die Politik nicht ersetzen und nicht vergessen machen. Machiavelli weiß dem Leiden zu begegnen: Er muss vom Staat reden. An die Stelle entbehrter Wirklichkeit tritt das Reden über den Staat: «Fortuna wollte, dass ich weder von Seide und Wollweberei, weder von Gewinn noch Verlust zu reden weiß; ich muss vom Staate reden; ich muss das Gelübde tun, still zu schweigen oder davon zu reden.» So schreibt er am 9. April 1513 an Francesco Vettori in einem der «Freundschaftlichen Briefe». Der Staat ist für ihn Lebenselixier; von ihm zu reden seine Bestimmung, wenn nicht von den Gestirnen vorgegeben. Wäre er im Zodiakzeichen des Widders geboren, hätten Wolle und Seide den Platz einnehmen können, den der Staat in seinem Leben...

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