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Niccolò Machiavelli – Die Macht und der Schein

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Dirk Hoeges

Machiavelli entwirft die Figur des modernen Herrschers im Spannungsverhältnis von Macht und Schein. Nichts sein – alles scheinen wird zur Bedingung für Erwerb und Erhalt von Macht. Dabei ist Machiavellis Entdeckung und Nutzung der Perspektive für das Wesen des Politischen entscheidend. Unter die Perspektive diffuser Beobachter geraten, wird Herrschaft von der Inszenierung abhängig. Macht ohne Schein scheitert wie Schein ohne Macht. Es schlägt die Stunde der Medien. Sie arbeiten am Schein. Durch präzise Textanalyse wird der «Fürst» als komplexe Kunstfigur sichtbar. Machiavellis berühmtester Text wie sein umfangreiches Gesamtwerk aus Prosa und Poesie ist nur mittels Ästhetik und Rhetorik zu verstehen. Es zeigt den kritischen Humanisten und gewandten Politiker als Meister vieler literarischer Formen, mit denen er von Jugend an vertraut wurde.
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Die «perspektivische Wende» und die Ästhetik der Macht

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Die ausgeprägte Erfahrungskomponente in Machiavellis Kompetenz für Wahrheit ist offen für jeden Wahrheitsanspruch, der aus der Wahrnehmung von Wirklichkeit abgeleitet wird. Machiavelli muss demnach auch offen sein für das Wahrheitspostulat Leonardos, das Empirie, seine Zeit und ihre Moden herausfordernd, einklagt.

Wenn er in der Widmung des «Principe» seinen Wahrheitsanspruch mit Blick auf den disegno, auf die toskanischen Zeichner und Maler, stützt und mit ihnen auf die Repräsentanten der artes mechanicae, dann zeigt sich, wie offen er für die Leistungen der empirischen Techniken ist. Handwerker- und Künstlerwissen, das Wissen des «Ingenieurs» macht sich der Intellektuelle Machiavelli zunutze. Sein in Kenntnis der Perspektive gezogener Vergleich belegt es. Die Geschichte der Perspektive und ihrer Nutzung setzt nicht mit Leonardo ein. Donatello, Leon Battista Alberti, Brunelleschi mit seinen Perspektivetafeln, Paolo Uccello, Piero della Francesca, Luca Pacioli, dessen «De divina proportione» (1509) Leonardo mit Zeichnungen versieht, und Sebastiano Serlio bilden Stationen der Entwicklung und Differenzierung der Perspektive. Einer ihrer Meister war auch Bastiano «Aristotile» da San Gallo, der mit Andrea del Sarto die Bühnenarchitektur für eine Aufführung der «Mandragola» schuf.

Machiavelli nimmt ihre Leistungen auf, fundiert durch sie den Wahrheitsanspruch seines «kleinen Werkes» (opusculum). «Il principe» ist in Kenntnis der ← 68 | 69 → Perspektive geschrieben. Mit ihr zieht der Perspektivismus in die Darstellung von Wirklichkeit ein und mit ihm die Perspektivität der literarisch-ästhetischen Vermittlung. Das gilt für den Autor Machiavelli, der für sich eine vertikale...

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