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Niccolò Machiavelli – Die Macht und der Schein

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Dirk Hoeges

Machiavelli entwirft die Figur des modernen Herrschers im Spannungsverhältnis von Macht und Schein. Nichts sein – alles scheinen wird zur Bedingung für Erwerb und Erhalt von Macht. Dabei ist Machiavellis Entdeckung und Nutzung der Perspektive für das Wesen des Politischen entscheidend. Unter die Perspektive diffuser Beobachter geraten, wird Herrschaft von der Inszenierung abhängig. Macht ohne Schein scheitert wie Schein ohne Macht. Es schlägt die Stunde der Medien. Sie arbeiten am Schein. Durch präzise Textanalyse wird der «Fürst» als komplexe Kunstfigur sichtbar. Machiavellis berühmtester Text wie sein umfangreiches Gesamtwerk aus Prosa und Poesie ist nur mittels Ästhetik und Rhetorik zu verstehen. Es zeigt den kritischen Humanisten und gewandten Politiker als Meister vieler literarischer Formen, mit denen er von Jugend an vertraut wurde.
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Machiavelli – Plautus – «Clizia»

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Kann Machiavelli schon früh Terenz kennengelernt haben, und konnte er in der späteren Übertragung der «Andria» seine Technik der Dialogrhetorik schleifen und entwickeln, bot ihm dazu auch seine Komödie «Clizia» Gelegenheit, die er nach einer Vorlage des Plautus verfasste; dass er außerdem Plautus-Bearbeitungen von anderer Hand kannte, konnte ja schon an seinem Hinweis auf «Geta e Birria» gezeigt werden, der sich in seinem Brief an Vettori findet.

Hatte die «Casina» des Plautus ihren Schauplatz in Athen, verlegt Machiavelli in seiner freien Bearbeitung das Geschehen in seine Heimatstadt Florenz, und die Begründung kann Interesse beanspruchen, bestätigt sie doch ein weiteres Mal Machiavellis gegenwartsbezogenen Humanismus. Sein Ausgangspunkt und sein Adressat ist immer die eigene Zeit. Insofern kann von einem imitativen Verhältnis Machiavellis zur Antike nicht gesprochen werden. Der konstitutive Gegenwartsbezug erfordert im konkreten Fall der «Clizia», das Geschehen in Florenz zu plazieren und den Gebrauch der florentinischen Sprache. «Denn Athen ist zerstört; die Straßen, die Orte, die Plätze kennt man nicht mehr.»1 Die Realität Athens ist mit seiner Topographie verschwunden, sie ist verfallen, sie ist unkenntlich. Das ist eine bemerkenswerte Begründung; Machiavelli ist frei von jeder Nostalgie und Ruinenpoesie, sein Bezug zur Antike ist pragmatisch. Die historische Wirklichkeit Athens ist dahin, daher wird das Geschehen nach Florenz verlegt; die griechische Sprache versteht im Florenz seiner Zeit niemand im Publikum, daher die Übertragung ins Florentinische, denn ohne Heimatsprache gibt es kein Publikum für Machiavelli/ Plautus...

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