Show Less
Restricted access

Niccolò Machiavelli – Die Macht und der Schein

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Dirk Hoeges

Machiavelli entwirft die Figur des modernen Herrschers im Spannungsverhältnis von Macht und Schein. Nichts sein – alles scheinen wird zur Bedingung für Erwerb und Erhalt von Macht. Dabei ist Machiavellis Entdeckung und Nutzung der Perspektive für das Wesen des Politischen entscheidend. Unter die Perspektive diffuser Beobachter geraten, wird Herrschaft von der Inszenierung abhängig. Macht ohne Schein scheitert wie Schein ohne Macht. Es schlägt die Stunde der Medien. Sie arbeiten am Schein. Durch präzise Textanalyse wird der «Fürst» als komplexe Kunstfigur sichtbar. Machiavellis berühmtester Text wie sein umfangreiches Gesamtwerk aus Prosa und Poesie ist nur mittels Ästhetik und Rhetorik zu verstehen. Es zeigt den kritischen Humanisten und gewandten Politiker als Meister vieler literarischer Formen, mit denen er von Jugend an vertraut wurde.
Show Summary Details
Restricted access

Moses – «Fürst» und Kultfigur der Renaissance

Extract



Machiavelli durchschaut das Spiel. Savonarolas Predigten sind komponiert, sie haben eine Struktur und seine Lügen ihre Farben.

Aus Machiavellis Berichten von den letzten Anstrengungen des Dominikaners, sein Verhängnis aufzuhalten oder abzuwenden, wird ein Zeitgemälde und schließlich ein Porträt. Es vermittelt den Eindruck lebendiger, angespannter Intensität wie das von seinem Ordensbruder Fra Bartolomeo stammende Bild Savonarolas im Kloster San Marco in Florenz. Machiavelli liefert gleichsam ein Briefporträt seines florentinischen Mitbürgers, wie es ihm vier Jahre später in seinen Berichten von Cesare Borgia gelingt, in denen er der Signoria die Begegnungen und Gespräche mit dem Herzog schildert; aus ihnen entsteht ein Gemälde, das zu einem dramatischen Psychogramm wird. Die anderen – tatsächlichen oder mutmaßlichen – Darstellungen des Borgia haben samt und sonders nicht die Tiefe und facettierte Schärfe von Machiavellis Briefporträt. Es weist, in toskanischer Manier, disegno und Kolorit auf. Beobachtungsgabe, analytische Präzision und die Sprachkunst des Schreibers schaffen ein Artefakt.

Die Prophezeiungen, Übertreibungen, Apokalypsen und Gesichte Savonarolas, seine «Lügen» gehören zur Wirklichkeit, zur Wahrheit seines Treibens bis 1498. Mit ihnen faszinierte er seine Zuhörer, die er in den letzten Predigten nach Männern und Frauen zu trennen pflegte, wie Machiavelli und Landucci übereinstimmend berichten. Er hatte seine Anhänger wie seine Feinde in Extasen von Reue, Furcht und Hoffnung versetzt. Nun war er nur noch lästig, dem Gewissen und der Politik. Als ihm seine zivile innerflorentinische Logistik...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.