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Niccolò Machiavelli – Die Macht und der Schein

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Dirk Hoeges

Machiavelli entwirft die Figur des modernen Herrschers im Spannungsverhältnis von Macht und Schein. Nichts sein – alles scheinen wird zur Bedingung für Erwerb und Erhalt von Macht. Dabei ist Machiavellis Entdeckung und Nutzung der Perspektive für das Wesen des Politischen entscheidend. Unter die Perspektive diffuser Beobachter geraten, wird Herrschaft von der Inszenierung abhängig. Macht ohne Schein scheitert wie Schein ohne Macht. Es schlägt die Stunde der Medien. Sie arbeiten am Schein. Durch präzise Textanalyse wird der «Fürst» als komplexe Kunstfigur sichtbar. Machiavellis berühmtester Text wie sein umfangreiches Gesamtwerk aus Prosa und Poesie ist nur mittels Ästhetik und Rhetorik zu verstehen. Es zeigt den kritischen Humanisten und gewandten Politiker als Meister vieler literarischer Formen, mit denen er von Jugend an vertraut wurde.
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Cesare Borgia – eine Fehlbesetzung Machiavellis«Fürst» Castruccio Castracani

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Cesare Borgia – eine Fehlbesetzung Machiavellis «Fürst» Castruccio Castracani

Cesare Borgia ist ein Versager. Er kann nicht «il principe» sein, er versagt im entscheidenden Moment. Es mangelt nicht an Deutlichkeit, dass der Papstsohn nicht in Frage kommt und für die Paraderolle in Machiavellis Inszenierung eine Fehlbesetzung ist. Der Text ist eindeutig; um so erstaunlicher, dass er seit jeher und immer wieder dazu dient, die Figur des Fürsten in Cesare Borgia realisiert zu sehen.1 Das 7. Kapitel lässt keinen Zweifel, es führt mit seiner dynamischen Struktur zu einem eindeutigen Finale. Für allerlei Fähigkeiten, die Machiavelli auflistet, «kann (man) keine aktuelleren Beispiele finden als die Taten dieses Mannes». Umgehend aber, in direktem Anschluss, folgt die Disqualifizierung: «Nur hinsichtlich der Wahl von Papst Julius II. kann man ihm den Vorwurf machen, dass er eine falsche Entscheidung getroffen hat. So beging der Herzog bei dieser Wahl einen Irrtum und verursachte dadurch seinen Untergang.» Nicht die Erkrankung des Borgia ist die Ursache seines Untergangs, sondern allein eine falsche Entscheidung. Der «Irrtum» macht ihn zum Versager, das ist der lapidare Schluss des Kapitels. Cesare Borgia, Sproß Alexanders VI., verfügt über zahlreiche Einzelqualitäten, die ihn aus der Menge der Fürsten in Vergangenheit und Gegenwart herausheben. Sie machen jedoch keinen «principe» aus, auch nicht im befristeten Bund mit seiner Zeit und den Umständen. Disparate Vorzüge erzeugen kein Ganzes, liefern letztlich doch unzureichendes Material für ein komplexes Konstrukt wie Machiavellis «principe» und...

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