Show Less
Restricted access

Niccolò Machiavelli – Die Macht und der Schein

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Dirk Hoeges

Machiavelli entwirft die Figur des modernen Herrschers im Spannungsverhältnis von Macht und Schein. Nichts sein – alles scheinen wird zur Bedingung für Erwerb und Erhalt von Macht. Dabei ist Machiavellis Entdeckung und Nutzung der Perspektive für das Wesen des Politischen entscheidend. Unter die Perspektive diffuser Beobachter geraten, wird Herrschaft von der Inszenierung abhängig. Macht ohne Schein scheitert wie Schein ohne Macht. Es schlägt die Stunde der Medien. Sie arbeiten am Schein. Durch präzise Textanalyse wird der «Fürst» als komplexe Kunstfigur sichtbar. Machiavellis berühmtester Text wie sein umfangreiches Gesamtwerk aus Prosa und Poesie ist nur mittels Ästhetik und Rhetorik zu verstehen. Es zeigt den kritischen Humanisten und gewandten Politiker als Meister vieler literarischer Formen, mit denen er von Jugend an vertraut wurde.
Show Summary Details
Restricted access

Nichts sein – alles scheinen: Der Prototyp der Moderne

Extract

| 153 →

Nichts sein – alles scheinen:Der Prototyp der Moderne

Ist Moses der Fürst, «il principe»? Er ist es sowenig wie jeder andere, von Cesare Borgia bis Ferdinand von Aragon. Ist Moses das Modell für den «principe»? Mehr als jeder andere aus Mythos, Geschichte und Gegenwart.

Das 26. Kapitel des «Principe», der «Aufruf, sich Italiens anzunehmen und es von den Barbaren zu befreien», fasst den gesamten Text zusammen. Machiavelli bilanziert unter dem zentralen Gesichtspunkt, «ob gegenwärtig in Italien die Zeiten einem neuen Fürsten günstig sind und ob die Materie vorhanden ist, die einem klugen und tüchtigen Mann Gelegenheit böte, ihr eine Form zu geben».1 Mit dieser Primärfrage knüpft er unmittelbar an Kapitel 6 an. Dort hatte er kurz und klar das Verhältnis von «fortuna», «occasione» und «virtù», von Glück, Gelegenheit und Tüchtigkeit, bestimmt und dieselben Begriffe, dasselbe Bild von Stoff und Form benutzt wie jetzt am Ende des Buches. Das Glück bietet dem Tüchtigen mit der Gelegenheit den Stoff, dem er die Form gibt, die ihm richtig erscheint. Das aber hatten in der Vergangenheit nur Moses, Cyrus und Theseus vermocht. Ihnen war das Schicksal ihres Volkes der Stoff, den sie zu formen hatten. Die Katastrophe Italiens, das italienische Elend der Gegenwart, das in Prosa und Dichtung Machiavellis Zentralthema ist, stellt diese Materie dar wie die Sklaverei Israels in Ägypten, die Unterdrückung der Perser durch die Meder und die Situation...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.