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Niccolò Machiavelli – Die Macht und der Schein

2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Dirk Hoeges

Machiavelli entwirft die Figur des modernen Herrschers im Spannungsverhältnis von Macht und Schein. Nichts sein – alles scheinen wird zur Bedingung für Erwerb und Erhalt von Macht. Dabei ist Machiavellis Entdeckung und Nutzung der Perspektive für das Wesen des Politischen entscheidend. Unter die Perspektive diffuser Beobachter geraten, wird Herrschaft von der Inszenierung abhängig. Macht ohne Schein scheitert wie Schein ohne Macht. Es schlägt die Stunde der Medien. Sie arbeiten am Schein. Durch präzise Textanalyse wird der «Fürst» als komplexe Kunstfigur sichtbar. Machiavellis berühmtester Text wie sein umfangreiches Gesamtwerk aus Prosa und Poesie ist nur mittels Ästhetik und Rhetorik zu verstehen. Es zeigt den kritischen Humanisten und gewandten Politiker als Meister vieler literarischer Formen, mit denen er von Jugend an vertraut wurde.
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Prolog

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Florenz 1512. Die Medici sind nach Jahren des Exils zurückgekehrt. Unnachsichtig verfolgen sie ihre Gegner und alle, die sie verdächtigen, nicht ihre Parteigänger zu sein. Niccolò Machiavelli (1469–1527) widerfährt, was politischen Beamten droht, wenn die Machthaber wechseln.

Seit 1498 in Diensten der Republik Florenz, als Beobachter und Abgesandter auf in- und ausländischen Missionen, bei Caterina Sforza und Cesare Borgia, bei der Papstwahl in Rom nach dem Tod Alexanders VI., am Hof Kaiser Maximilians I. und des Königs von Frankreich, als Gesprächspartner in den Zirkeln der Macht von gesalbten Herrschern, von Fürsten und Kardinälen, von Kriegsherren und Bürgern, steigt er in der politischen Hierarchie seiner Heimatstadt auf. Nicht nur scharfsinniger Analytiker und As im diplomatischen Spiel, wird er Sekretär und Kanzler der Republik und Reorganisator des florentinischen Heerwesens. Nach Haft und Folter schickt man ihn in die Verbannung. Es beginnt die so beklagte wie schöpferische Zeit des Exils. Auf seinem Landgut Sant’Andrea in Percussina bei San Casciano, unweit von Florenz, kämpft er mit der Langeweile seines neuen Lebens. Fern der Politik und Staatsgeschäfte besinnt er sich auf das, was ihm geblieben ist und ihm kein Medici nehmen kann. An die Stelle aktiven politischen Handelns tritt das Reden über Politik, den Staat; an die Stelle der Realität treten Beobachtungen, Reflexionen und Projektionen, Visionen und Konstrukte von Staat, Macht und der Rolle des Herrschers. Konzentriert arbeitet er ohne Unterlaß, aktiviert sein Wissen und...

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