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Der Nationalsozialismus als Problem der Gegenwart

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Joachim Perels

Kritik an – heute wirksamen – Umdeutungen der despotischen NS-Herrschaft bildet den roten Faden der Untersuchung. Dazu gehört die Verwandlung des Hitlerregimes in einen Rechtsstaat und die Entpolitisierung der beamteten Funktionseliten der Diktatur. Die Auswirkungen der weitgehenden Übernahme des Justizapparats des Dritten Reiches werden sichtbar – wie die vielfache Auflösung des Täterbegriffs für nationalsozialistische Massenverbrechen.
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Norbert Frei, Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, C. H. Beck Verlag, München 1996, 464 Seiten

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Die Konstituierung der rechtsstaatlichen Demokratie der Bundesrepublik gilt als ein im Kern gelungener Prozeß. Entsprechend scheint die Kardinalfrage des Umgangs mit der NS-Diktatur in der Ära Adenauer gelöst. Diese These wird von konservativen wie sozialdemokratischen Autoren der älteren Generation fast durchgehend vertreten. Hans Peter Schwarz konstatiert: „Der Abschluß der Entnazifizierung und die Rückkehr des früheren Personals brachte zwar Verschiebungen. Aber in den maßgebenden Stellungen saßen nun doch vielfach Amtsinhaber, die in den ersten Nachkriegsjahren als eine Art Gegenelite zum Zuge gekommen waren und dafür Sorge trugen, daß sich die Beamtenschaft künftig auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegte.“1 Der Begriff der Restauration, heißt es bei Richard Löwenthal, verfehle das Gesamtbild der Bundesrepublik. Auch wenn vordemokratische Strukturen besonders in der Bürokratie und in der Justiz fortexistierten, seien sie in eine wandlungsfähige Demokratie eingebettet. Löwenthal stellt die Behauptung auf, daß „Staat und Gesellschaft auch der konservativen Demokratie …, etwas völlig Neues …, gegenüber der untergegangenen Hitlerdiktatur“ waren.2 Hermann Lübbe spricht von der „asymmetrischen … Diskretion“ zwischen Ex-Nazis und NS-Gegnern, die sich wesentlich im Schweigen über die NS-Vergangenheit ausdrücke, das zur Gründungstugend der jungen Republik erklärt wird.3

Freis Untersuchung stellt die Entproblematisierung der Hypothek des NS-Regimes für die Bundesrepublik systematisch in Frage. Seine Arbeit unterscheidet sich fundamental von empiriearmen Schnellessays. Ausgewertet wird eine umfassende Fülle veröffentlichter und unveröffentlichter Quellen der Alliierten, der Akten des Justizministeriums, der Protokolle des Rechtsausschusses,...

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