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Der Nationalsozialismus als Problem der Gegenwart

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Joachim Perels

Kritik an – heute wirksamen – Umdeutungen der despotischen NS-Herrschaft bildet den roten Faden der Untersuchung. Dazu gehört die Verwandlung des Hitlerregimes in einen Rechtsstaat und die Entpolitisierung der beamteten Funktionseliten der Diktatur. Die Auswirkungen der weitgehenden Übernahme des Justizapparats des Dritten Reiches werden sichtbar – wie die vielfache Auflösung des Täterbegriffs für nationalsozialistische Massenverbrechen.
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Harald Welzer, Verweilen beim Grauen. Essays zum wissenschaftlichen Umgang mit dem Holocaust, edition Diskord, Tübingen 1997, 115 Seiten

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Harald Welzer hat in den letzten Jahren eine Reihe wichtiger Arbeiten zu den inneren Mechanismen des NS-Systems vorgelegt. Sein methodisches Prinzip bestimmt er so: „(D)er interpretativen Sozialforschung (kann es) … nur um die Entschlüsselung der Wahrnehmungsweise der Akteure gehen, wie sie ist, und nicht um deren Bewertung“ (S. 54). Durch diese methodische Weichenstellung wird die sogenannte Bewertung des Systems von Auschwitz, Treblinka, Majdanek und der Vernichtungsverbände des Reichssicherheitshauptamtes aus der Analyse ausgeklammert. Erst „jenseits zweckdienlicher moralischer Rigorismen“ könne „über die deutsche Geschichte dieses Jahrhunderts“ (S. 26) zureichend reflektiert werden. Welzer spricht gegenüber bisherigen Wahrnehmungs-und Erkenntnisformen des Holocaust vom „Dualismus von moralischem Rigorismus und interpretativem Leerlauf“ (S. 67). So verschwindet die im Verwaltungsmassenmord sichtbare anti-normative Realität der Zerstörung des Rechts auf Leben „wissenschaftlich“ weitgehend aus dem Blick. Auf der Basis der einfachen Trennung technischer und normativer Fragestellungen entwickelt Welzer die zentrale These, daß die Ermordung der europäischen Juden auf den verschiedenen Stufen der Befehlshierarchie durch die verantwortlichen Täter sich in einer Sphäre der Normalität vollzog. Welzer geht, unter Berufung auf Goldhagen, davon aus, daß der „Massenmord tatsächlich von Menschen vollzogen worden ist, die damit allem Anschein nach keine schwerwiegenden Probleme hatten“ (S. 11). Welzer meint, „daß der Vorgang des Massenmords sich nicht im Rahmen außenweltlicher Amoralität und einer historischen Auszeit vollzog, sondern im Kontext einer Normalität, die sich von der gegenwärtigen in vielerlei Belangen so sehr nicht unterscheidet“ (S. 20). Welzer arbeitet die deskriptiv...

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