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Der Nationalsozialismus als Problem der Gegenwart

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Joachim Perels

Kritik an – heute wirksamen – Umdeutungen der despotischen NS-Herrschaft bildet den roten Faden der Untersuchung. Dazu gehört die Verwandlung des Hitlerregimes in einen Rechtsstaat und die Entpolitisierung der beamteten Funktionseliten der Diktatur. Die Auswirkungen der weitgehenden Übernahme des Justizapparats des Dritten Reiches werden sichtbar – wie die vielfache Auflösung des Täterbegriffs für nationalsozialistische Massenverbrechen.
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Manfred Messerschmidt, Die Wehrmachtsjustiz 1933–1945. Schöningh, Paderborn 2005,

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511 Seiten

Das Werk von Manfred Messerschmidt über die Militärjustiz des Hitlerregimes ist durch die Auseinandersetzung mit der Interpretationsmacht der Wehrmachtsjuristen bestimmt, die in den Universitäten der Bundesrepublik weiter tätig waren. Die judikativen Institutionen des Militärs der NS-Diktatur wurden als prinzipiell rechtsstaatlich qualifiziert, da sie sich von den diktatorischen Herrschaftsformen des Hitler-Regimes unterschieden hätten. Diese These entsprach der generellen, lange Zeit wirksamen Vorstellung, dass zwischen der NS-Führung und den administrativen und gesellschaftlichen Funktionsträgern – von der Beamtenschaft bis zu den Kirchen – eine grundsätzliche Differenz bestanden habe. Messerschmidts Arbeit, die sich auf manche seiner früheren Untersuchungen stützen kann, widerlegt diese unkritische Sichtweise in vollem Maße. Dies beruht darauf, dass – neben der umfassenden Rezeption der Literatur – eine Fülle nicht gedruckter Quellen den Grundstock der Analyse bilden. Die Wirkungsweise der Justiz tritt an konkreten, die Leiden der Opfer sichtbar machenden Fällen in den Blick, etwa den christlich motivierten Wehrdienstverweigerern, die sich – nicht unterstützt von ihren Kirchen – einer Mitwirkung in Hitlers Krieg widersetzten.

Die Justiz der Wehrmacht wird nicht lediglich beschrieben, sondern an rechtsstaatlichen und völkerrechtlichen Maßstäben gemessen. Tatsächlich war die Militärjustiz, bis auf wenige Ausnahmen, ein Herrschaftsinstrument der nationalsozialistischen Despotie. Im Unterschied zu den westlichen Demokratien Großbritanniens und der USA, die im Zweiten Weltkrieg 186 Todesurteile gegen Soldaten verhängten, wurden im Dritten Reich 19 600 Uniformträger in den Tod geschickt (S. 172). Dass NS-Deutschland für diese exorbitante...

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