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Kulturwissenschaften der Moderne

Band 3: Das 20. Jahrhundert

Edited By Peter Nitschke

Kulturwissenschaften sind eine Sammeldisziplin in der Moderne geworden, bei der sich ganz unterschiedliche Fachdisziplinen unter dem Paradigma der Kultur zusammengefunden haben. Mit Blick auf das 20. Jahrhundert behandelt das Buch folgende Themen: Plakatpropaganda im Ersten Weltkrieg – Die Schuldfrage nach Jaspers – Der Biologismus – Gerechtigkeit in der Globalisierung – Von der Frauenfrage zum Genderansatz – Die kulturelle Funktion der Bundespräsidenten in Deutschland – Hannah Arendts politische Kulturdiagnose – Der Untergang des Abendlandes und der Clash of Civilizations.
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Kulturwissenschaften im 20. Jahrhundert: eine Einleitung: Peter Nitschke

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Kulturwissenschaften im 20. Jahrhundert: eine Einleitung

Peter Nitschke

I.Das Jahrhundert der Kulturwissenschaften

Das 20. Jahrhundert, das gemeinhin als Höhepunkt der Moderne firmiert, ist in der Geschichte der Wissenschaften auch das Zeitalter der enormen Umbrüche: Paradigmen kommen und gehen schneller denn je. Das hat zweifellos auch etwas mit den Umbrüchen in der gesellschaftlichen wie politischen Realität zu tun. Im Zeitalter zweier Weltkriege, im Angesicht des Holocausts, der Gulag-Systeme, des systematischen Genozids, bleiben traditionelle Gewissheiten nicht mehr so gewiss, wie sie einstmals waren oder zu sein schienen. Insbesondere der Glaube an den Fortschritt nimmt erheblich Schaden. Technik ist nicht mehr einfach eine Sache der Verbesserung im menschlichen Leben, obgleich sich hierdurch de facto Vieles erheblich verbessert hat. Skepsis, gar Frustration, macht sich in immer neuen Schüben breit.1 Der Verlauf des 20. Jahrhunderts erscheint weder für die Zeitgenossen, noch im Rückblick nach der Millenniumswende, als ein linearer Prozess.

So fing auch schon das Jahrhundert an – mit einem unter Intellektuellen quer durch Europa verbreiteten Gefühl der Unruhe, einem Gespür für den (großen) Umbruch, lange bevor der Erste Weltkrieg so ziemlich alle gängige Sozialstrukturen zerrissen hat.2 Im Grunde verdichtete sich ein öffentliches Bewusstsein für eine Identitätskrise.3 Oswald Spengler war nicht der einzige, der hierauf Bezug nahm und neue Antworten auf alte Fragen suchte. Die entscheidende Frage, die sich für viele Dichter, politische Analysten und Kommentatoren mit zunehmender Dringlichkeit stellte, war die nach...

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