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Zukunftsmaschinen in der Chemie

Kernmagnetische Resonanz bis 1980

Thomas Steinhauser

Zukunftsmaschinen in der Chemie zeigt am Beispiel der kernmagnetischen Resonanz (NMR), wie elektronische Instrumente und die mit ihnen verbundenen Methoden zu einem Kerngebiet der modernen Chemie wurden. Den Leitfaden der Analyse knüpfen die Aktivitäten der Firmen Varian Associates (USA) und Bruker-Spectrospin (Deutschland/Schweiz). Das Netzwerk der NMR umfasste aber nicht nur diese Zentren der Instrumentenentwicklung, sondern dehnte sich immer weiter aus. Mit Hilfe vielfältiger Quellen werden wichtige Personengruppen, Institutionen und Ideen beschrieben, welche die NMR zu einem eigenständigen Wissensgebiet formten. Einigen der Akteure wurde in historischen Arbeiten bisher nur wenig Beachtung geschenkt, dennoch ist ohne sie die Entwicklung der modernen Chemie und Naturwissenschaft insgesamt kaum zu verstehen.
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1. Grundlagen einer Methode

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1.1. Moderne Instrumente in der Naturwissenschaft und der Wissenschaftsgeschichte

Instrumentelle Methoden sind ein wesentlicher Teil der Theorie, Praxis und sozialen Organisation der modernen Naturwissenschaften. Auch wenn inzwischen elektronische Instrumente aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufig seltener sind als wissenschaftliche Apparate aus der Zeit edel glänzenden Messings, sind sie immer noch kaum in Museen vertreten, den Speichern und Gedächtnissen unserer als bedeutsam angesehenen materiellen Kulturen. Es gibt inzwischen zwar vereinzelte Initiativen zur Rettung solcher Geräte, z.B. die Sammlung von 100 chemischen Laborinstrumenten "die die Welt veränderten" durch die Chemical Heritage Foundation,1 doch der Befund zeigt, dass der kulturelle Wert der noch relativ neuen, in der Regel unanschaulichen und optisch wenig attraktiven Instrumente eher als gering eingestuft wird. Dennoch bestimmen instrumentelle Methoden Denkzwänge2 des modernen Wissenschaftssystems, sie legen fest, welche Daten relevant sind, wie sie erhalten werden können und nach welchen Regeln sie ausgelegt werden sollen. Aber nicht nur die forschungsleitende Funktion instrumenteller Möglichkeiten beeinflusst die Wissenschaftler, sondern auch ein anderer Zwang: immer wieder neue Mittel zur Finanzierung teurer Instrumente akquirieren zu müssen. Der Eindruck, dass Naturwissenschaftler durch die modernen instrumentellen Methoden einen guten Teil an Handlungsfreiheit einbüßen, wirkt ernüchternd auf das klassische Bild der allseits autonomen und nur dem Wissenserwerb verpflichteten Naturwissenschaft. Nicht nur die Wissenschaftler selbst nehmen den stark zunehmenden Einfluss der Instrumente auf die exakten Naturwissenschaften wahr. Auch Wissenschafts- und Technikhistoriker beschäftigen sich zunehmend mit dem in ← 11 | 12...

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