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Proselyten und Rückkehr

Der Übertritt zum Judentum in Wien 1868–1914 – Teil 1 und Teil 2

Anna L. Staudacher

Die Autorin legt erstmals in einer editionsnahen Form die Protokolle vor, die für ProselytInnen und RevertitInnen beim Eintritt ins Judentum angelegt wurden, nachdem das Interkonfessionelle Gesetz von 1868 den Juden in Österreich die volle Gleichberechtigung brachte. Von nun an war ein Übertritt von Christen und Konfessionslosen zum Judentum möglich und auch Konvertiten zum Christentum konnten zum Judentum zurückkehren. Erforderlich war hierzu lediglich eine amtliche Austrittserklärung aus jener Religionsgemeinschaft, der man zuvor angehört hatte. Der Eintritt ins Judentum erfolgte jedoch nicht bei der politischen Behörde, sondern bei einer Kultusgemeinde, welche die Proselytenprotokolle anlegte. Ergänzt werden die Protokolle durch eine Fülle weiterer Quellen, welche in nicht wenigen Fällen das Motiv der Liebe zu einem Mitglied der jüdischen Gemeinde offenlegen.
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Der Rück- und Übertritt zum Judentum

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Der Rücktritt & Übertritt zum Judentum

„Ich Endesgefertigter erkläre hiemit feierlichst an Schwures statt, dass ich aus freiem Willen & tiefinnigster Überzeugung wieder zu dem Glauben des altehrwürdigen Judenthums zurücktrete um in demselben zu leben und zu sterben. Wien XIX., am 28ten October 1894. Philipp Balla, academischer Maler [mp]“.1

Vier Jahre zuvor hatte sich Philipp Braun, vor seinem Namenswechsel zu Balla und noch Student an der Akademie der bildendenden Künste, in Wien in der Pfarre St. Othmar taufen lassen. Als Johann Baptist Filipp Braun, Kunstakademiker, ledig, wurde er in die Taufmatrik dieser Pfarre eingetragen. Sein Vater war Beni Braun, Holzhändler, seine Mutter Hermine geb. Jeiteles. Geboren in Ungarn, in Pecska, im Komitat Arad, so wurde es in der Taufmatrik von St. Othmar festgehalten.2 Im Jahr 1894, zwei Monate vor seinem Rücktritt zum Judentum, wurde ihm im August vom ungarischen Ministerium des Innern die Namensänderung von Braun auf Balla bewilligt, eine Namensänderung, welche gleichfalls in der Taufmatrik von St. Othmar vermerkt wurde. 3 Sein Rücktritt zum Judentum wurde mit seiner feierlichen Erklärung in das Proselytenprotokoll von Döbling eingetragen, am linken Rand wurden ganz kurz seine Personalien vermerkt: Philipp Balla, ehelicher Sohn des Beni Braun, ohne explizit die Namensänderung zu erwähnen.4 Im kumulativen Index zu den Proselytenprotokollen der IKG erscheint er lediglich als Philipp Balla eingetragen, nicht mit seinem ursprünglichen Namen. Seine Rücktrittserklärung war mit Sicherheit nicht von ihm verfasst...

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