Show Less
Restricted access

Der Wald als romantischer Topos

5. Interdisziplinäres Symposion der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main 2007

Ute Jung-Kaiser

Die deutsche Dichtung, die Malerei und die Musik der Romantik nehmen den Wald mit einer Vehemenz und Breite in Besitz wie nie zuvor. War er bereits in Mythos und Märchen ein Durchgangstor zum Raum vor aller Zeit (Paradies oder Totenreich), auch ein Ort der Erleuchtung oder Verirrung, so wird er nun zu einer Metapher des Seins. Naturpoetisch und/oder religiös aufgeladen, dient er einem künstlerischen Initiationskonzept. Das poetische Programm suggeriert Erlösung, doch wozu und wohin? Wird es das schlafende «Lied in den Dingen», in der unberührten (idyllischen oder dämonisch-magischen) Waldes- und Seelenlandschaft zum Klingen bringen?
Die Folgen seiner Apotheose zeigen sich im 20. Jahrhundert, in welchem der Wald instrumentalisiert wird: ethnisch, funktionell, pragmatisch. Der Wald scheint entzaubert und tot. Doch die Sehnsucht nach einem «weiten Land» der Seele bleibt; denn – «Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume»?
Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen – Musik-, Literatur- und Kunstwissenschaften, Volkskunde, Theologie, Biomechanik, Pflanzenökologie, Filmwissenschaft – werden flankiert von Diskussionen und Betrachtungen zu Musik, Film und Bildender Kunst. Eine große Bereicherung bilden die Wald-Gedichte von Reiner Kunze und die Vielzahl an Reproduktionen (Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, Computergrafik und Fotos) aus dem Schaffen von Gerhard Richter, Caspar David Friedrich, Christa Näher, Baldwin Zettl, Jürgen Czaschka, Sascha Kürschner, Anke Dziewulski, Thomas Schmid, Georg Thumbach u.v.a.
Aus dem Inhalt: Ute Jung-Kaiser: Der Wald als romantischer Topos. Eine Einführung – Albrecht Lehmann: Wald. Die Volksliteratur und deren Weiterwirken im heutigen Bewusstsein – Hansjörg Küster: Der Wald-Mythos der Deutschen. Genese, Wirkung, Entzauberung. Überlegungen eines Pflanzenökologen – Musik als religiöse Botschaft oder als offene Metapher? Schumanns Vogel als Prophet - kontrovers gespielt und gedeutet. Vorträge und Diskussion: Ute Jung-Kaiser: Vogel als Prophet: Stimme der unberührten Natur, des Fremden, des (Aller-)Heiligsten? - Christian Thorau: Vogel als Prophet als Musik: eine offene Metapher - Bernd Ickert: Vogel als Prophet: gespielt und gedeutet – Christina Grummt: Der Wald bei Caspar David Friedrich. Kunst als religiöse Umdeutung der Natur? – Paulus Christmann/Wolfgang Schäfer/Andreas Rink: «O du schöner deutscher Wald» - Mendelssohns verkannte Männerchöre – Peter Jost: Der Wald im nordischen Klavierstück zwischen Romantik und Moderne – Ulrike Kienzle: Der «heilige Wald» in Wagners Parsifal – Peter Steinacker: «Durch Mitleid wissend der reine Tor». Wagners Religion im «Parsifal» – Susanne Popp: Wald und Träume in Regers Liedern – Siegfried Mauser: Topos der Bedrohung. Schönbergs Wald in der «Erwartung» – Kerstin Stutterheim: Der deutsche Wald im nationalsozialistischen Kulturfilm – Kerstin Stutterheim/Ute Jung-Kaiser: Addendum: Ewiger Wald (1936). Eine symphonische Filmdichtung – Dimitri Terzakis/Catherine Vickers/Julia Cloot: Der Wald in der Musik des 21. Jahrhunderts. Preview – Marion Saxer: O-Ton-Rauschen. Der Wald in der akustischen Kunst und Klangkunst der Moderne – Christa Näher/Baldwin Zettl/Christina Grummt: Der Wald in der zeitgenössischen Kunst. Diskussionsforum – Beiträge Bildender Künstler zum Wald-Projekt: Baldwin Zettl: Beitrag eines Kupferstechers - Jürgen Czaschka: Computerbilder (2007) - Sascha Kürschner: Hinter den Bäumen (2007) - Gerhard Richter: Wald-Serien (1990 und 2005) - Anke Dziewulski: Joseph von Eichendorff. Illustrationen (2006) - Thomas Schmid: Der Mondwald. Eine Photoserie (2007) - Georg Thumbach: WaldArbeit (2006) – Reiner Kunze: Unter sterbenden Bäumen – Claus Mattheck/Iwiza Tesari: Die Körpersprache der Bäume aus biomechanischer Sicht.