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Der halbierte Dichter? - «Hohe Poesie» und profane Welt

Wandlungen einer literarischen Konzeption bei Friedrich Gottlieb Klopstock

Helmut Pape

Im allgemeinen literarischen Bewusstsein liegt die eigentlich produktive Phase des Dichters Klopstock in seiner ersten Lebenshälfte, repräsentiert durch das Messias-Epos und einige Oden im Stile der neu konzipierten spirituellen hohen Poesie. Der andere Klopstock, jener der zweiten Schaffenszeit, gilt vielfach als inkommensurabel, als abwegig oder so gut wie nicht existent. Das betrifft vor allem den Verfasser gesellschaftskritischer, pragmatisch-profaner Texte. Das Prosawerk Die Deutsche Gelehrtenrepublik sowie die Oden und Schriften, die Klopstock, der spätere citoyen français, anlässlich der Französischen Revolution verfasst hat, gehören in diesen Zusammenhang. Beide Bereiche, der des sogenannten heiligen Dichters sowie des patriotischen, politikkritischen, rhetorischen Autors können nicht isoliert gesehen werden. Sie stehen gleichrangig in teils korrespondierender, teils kontroverser Wechselbeziehung.