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Die Staatsrechtler der juridischen Fakultät der Universität Wien im ‘Ansturm’ des Nationalsozialismus

Umbrüche mit Kontinuitäten

Irmgard Schartner

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Staats-, Verfassungs- und Verwaltungsrechtslehrern der juridischen Fakultät der Universität Wien von 1938 bis 1945 sowie mit dem Phänomen des Überdauerns von politischen Umbrüchen bis weit in die Gegenwart. In jeder Zeit – Ständestaat, Nationalsozialismus und Zweite Republik – musste der Lehrer, wollte er beamtet bleiben, die Gewähr dafür bieten, «jederzeit rückhaltlos für den .... Staat einzutreten». Gerade im Staatsrecht ist eine innere Emigration, ein Sich–Zurückziehen in den Elfenbeinturm wohl kaum möglich. Hier muss man Farbe bekennen. Wie konnte es aber kommen, dass so mancher blieb und blieb und blieb? Lehren vor der Machtergreifung die Schüler Kelsens, ein Ludwig Adamovich, ein Adolf Julius Merkl, Repräsentanten einer liberalen, demokratischen und republikanischen Staatslehre, so führen ihre Nachfolger die Studierenden auf eine ideologische Einbahnstraße. Und nach 1945? Eine aktive Rückholpolitik gab es nicht. Ein Verhinderungspolitik sehr wohl. Ausgehend von biographischen Daten wird der Lehrtätigkeit an der Universität Wien nachgegangen und anhand ausgewählter Schriften die Person als Wissenschaftler gezeigt. Obwohl den Mächtigen die Entwicklung Wiens zur ‘Stoßtruppuniversität’ gelegen wäre, scheiterte das Bemühen am Unvermögen und Unwillen der Professoren. Die personelle Verdünnung des Lehrkörpers führte auch zu einer inhaltlichen. Der Universitätsbetrieb funktionierte, vor und nach 1945. Doch war das genug?
Inhalt: Studienordnung, Studienplan, Vorlesungskanon – Lehrer und Lehrinhalte der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien 1938 bis 1945 – Die Staatsrechtslehrer nach Adamovich und Merkl: Ernst Forsthoff, Hans Frisch, Norbert Gürke und Helfried Pfeifer – Das Umfeld - Lehrer, Funktionäre und Drahtzieher: Robert Bartsch, Julius Bombiero, Karl Braunias, Adolf Günther, Alexander Hold-Ferneck, Rudolf Köstler, Arthur Marchet, Hans Mayer, Adolf Julius Merkl, Wilhelm Neidl, Richard Pfaundler, Johannes Sauter, Ernst Schönbauer, Otto Skrbensky, Hans Spanner, Ernst Swoboda, Alfred Verdross, Hans Würdinger – Wien als ‘Stoßtruppuniversität’: Die Südostforschung.