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Das Bambus-«Wenzi»

Versuch der Rekonstruktion des philosophischen Standpunktes eines daoistischen Textes der Frühen Han-Zeit

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Andrej Fech

Vor der Grabung von Dingxian in der Provinz Hebei (1973) war das Werk Wenzi – das bereits in der Hanshu-Bibliographie (ca. 90 n. Chr.) erwähnt und dort auf einen Schüler des sagenumwobenen Daoismus-Gründers Laozi (6. Jahrhundert v. Chr.) zurückgeführt wird – lange in seiner Authentizität umstritten. Dabei wurde die Frage nach seiner Echtheit meistens anhand eines Vergleichs mit dem Huainanzi entschieden, einem philosophischen Werk aus der Frühen Han-Zeit, zu dem fast vier Fünftel des tradierten Wenzi Parallelen aufweisen. Das Manuskript des Wenzi, das in Dingxian zutage gefördert wurde und das aufgrund seines Schriftträgers das Bambus-Wenzi genannt wird, lässt nicht nur das Verhältnis zwischen dem tradierten Wenzi und dem Huainanzi in einem differenzierten Licht erscheinen, sodass pauschalen Urteilen die Grundlage entzogen wird, sondern gewährt auch viele Einblicke in die philosophischen Grundzüge des Wenzi, noch vor seiner großen redaktionellen Umarbeitung in die überlieferte Form. Diese Arbeit stellt den Versuch dar, ein möglichst umfassendes Bild der Philosophie des Bambus-Wenzi zu liefern, sowie Antworten auf die spannenden Fragen nach der Identität seiner Protagonisten, nach seinem argumentativen Aufbau und nach Zeit und Ort seiner Entstehung zu geben.