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Gottesvernunft

Mensch und Geschichte im Blick auf Thomas Manns «Joseph und seine Brüder»

Paul Ludwig Sauer

Der Josephsroman Thomas Manns definiert sich selbst als einer, der ebenso erzählt wie «besonnen untersucht». Darin und zugleich in seinem bibelhermeneutischen Anliegen ernst genommen, legt er einen über die literaturwissenschaftliche Perspektive hinausgehenden anthropologischen und geschichtsphilosophischen Diskurs nahe: «Gottesvernunft» evoziert dabei die wechselseitige Entfaltung eines ganz bestimmten Menschen- und Gottesbildes. Dessen religionstheoretische Konsequenzen werden auf verschiedene historisch-politische Wirklichkeiten bezogen und die ihm entgegenstehende «Gottesdummheit» - Basis aller Glaubensdiktatur - als die zeiten- und gesellschaftsübergreifende fundamentalistische Versuchung ausgewiesen. Die Darlegungen im ganzen richten sich gegen den (re-)mythisierenden Trend und zielen darauf ab, heutiges, zumal «deutsches», Erkenntnisinteresse in die Rezeption dieses epischen Jahrhundertwerkes einzubringen.
Aus dem Inhalt: Der Josephsroman als biblische Dichtung - Dialektische Anthropologie - Mythos und Geschichte - Die Gottesvernunft im Widerstreit: Fundamentalismus - Revolution von oben (Echnaton, Joseph II., Roosevelt) - «Deutschland und die Deutschen» nach fünfzig Jahren.