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Der Druck der Erfahrung treibt die Sprache in die Dichtung

Bildlichkeit in Texten Herta Müllers

Ralph Köhnen

Der Druck der politischen Erfahrungen in Rumänien wie auch in der Bundesrepublik und deren dichterische Sublimation sind zwei Pole, die die Texte Herta Müllers bestimmen. Damit wird ein ambivalenter Lesehorizont eröffnet: Schreiben mit autobiographischen Elementen einerseits, andererseits dessen Objektivierung, Verstellung und Hermetisierung beim Medienwechsel in das gedruckte Wort - eine «autofiktionale» Schreibhaltung also, die in der Verselbständigung des Sprachmaterials von einer eigentümlichen Lust am Text zeugt und dabei für den biographischen Hintergrund transparent bleibt. Insgesamt will der Band die in der Literaturwissenschaft noch sparsamen Diskussionen über Herta Müllers Texte mit neuen, u.a. an Derrida orientierten Interpretationsansätzen erweitern und fördern.
Aus dem Inhalt: Christian Dawidowski: Bild-Auflösung: Einheit als Verlust von Ganzheit. Zu Herta Müllers Niederungen - Thomas Roberg: Bildlichkeit und verschwiegener Sinn in Herta Müllers Erzählung Der Mensch ist ein großer Fasan in der Welt - Holger Bösmann: «Hermetisches Rätselreich»? Das Suchen einer Reiseroute in Barfüßiger Februar - Karl Schulte: Reisende auf einem Bein. Ein Mobile - Astrid Schau: Das Land am Nebentisch. Ansätze zu einer Poetik der Entgrenzung - Martina Hoffmann/Kerstin Schulz: «Im Hauch der Angst». Naturmotivik in Herta Müllers Der Fuchs war damals schon der Jäger - Ulrike Growe: Das Nicht-Sagbare schreiben im «Überdruß der Münze die auf den Lippen wächst». Über Herta Müllers Der Wächter nimmt seinen Kamm - Philipp Müller: Herztier. Ein Titel/Bild inmitten von Bildern - Ralph Köhnen: Über Gänge. Kinästhetische Bilder in Texten Herta Müllers - Markus Steinmayr: «Ich wollte in der Tiefe der Bilder verschwinden» - Bildlichkeit als Lust am Text. Ein Versuch über Der Teufel sitzt im Spiegel - Stephan Düppe: Geschicke der Schrift als Strategien subjektiver Ohnmacht. Zu Herta Müllers poetologischen Vorlesungen Der Teufel sitzt im Spiegel - Eckhard Gropp: «Was nicht faßbar ist, flattert hin, wo es will». Poetologische und politische Aspekte von Hunger und Seide.