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Nach dem Tode - «oder» vor dem Leben

Das poetische Projekt Else Lasker-Schülers

Sissel Laegreid

Das poetische Projekt Else Lasker-Schülers ist die Aufhebung in den Zustand nach dem Tode - oder vor dem Leben, der auf dem Wege des poetischen Spiels imaginär erreichbar ist. Das Spiel liest sich als das synekdochische Spiel der Melancholie: als Dialektik von Melancholie und Manie schwankt der Kampf des Ich mit Widersprüchen unaufhaltsam hin und her zwischen Vereinzelung und Zusammenfügung, Leiden und Heiterkeit. In der Lyrik wie im Nachlaßdrama läßt sich der Kampf als Fort-da-Spiel verfolgen. «Siehst Du mich?», fragt das Ich im Gedicht und gesteht seine Spielart: «Dich hinzaubern und vergehen lassen / Immer spiele ich das eine Spiel.» Der Dialektik des Begehrens entsprechend wiederholt sich das Drama des Ich im wiederholten Aneignungs- und Losreißungsvorgang der suspensiven Identifikation, deren Intention immer schon die allegorische Verwandlung war. Zum Schluß steht anstelle der Versöhnung stets die Vertauschung da, anstelle von Ich und Du stets IchundIch.
Aus dem Inhalt: Die Lasker-Schüler-Legende zwischen Biographie und Poetologie - Das zu lesende Spiel aus Ulk und Ernst - Die Dialektik von Sprache und Sprachlosigkeit: Melancholie und Poesie - Fort-da-Spiel der Lyrik: Das synekdochische Spiel als Dialektik der Melancholie - Das Drama des Ich als Schau-Spiel IchundIch.