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Das Schweizerbuch im Zeitalter von Nationalsozialismus und Geistiger Landesverteidigung

Martin Dahinden

Wie reagierten die schweizerischen Verleger und Buchhändler auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland? Lösten sich ihre engen und über Jahrzehnte gewachsenen kulturellen und wirtschaftlichen Bindungen? Oder passte sich die Branche den Zwängen und dem neuen Zeitgeist an? Die dreissiger und vierziger Jahre sind eine unklare, widersprüchliche und wenig belegte Zeit der schweizerischen Verlags- und Buchhandelsgeschichte. Man erinnert sich an grosse Verlagsprojekte und an wichtige Exilliteratur, die in der Schweiz verlegt wurde, aber auch daran, dass der Präsident des Schweizerischen Buchhändlervereins im Vorstand des Börsenvereins deutscher Buchhändler sass, als dieser längst zu einem Instrument Goebbelsscher Kulturpolitik geworden war.
Martin Dahinden zeigt in seiner historischen Untersuchung, welche Mühe Buchhandel und Verlagswesen in der Schweiz vorerst hatten, die nationalsozialistische Herrschaft und ihre Auswirkungen zu beurteilen. Die historischen Bindungen an Deutschland lösten sich nicht sogleich, erst einschneidende kultur- und wirtschaftspolitische Kampfmassnahmen des Dritten Reiches, von denen die Schweiz betroffen war, bewirkten eine grundlegende Umorientierung. Dieser Wandel führte - schon ganz im Zeichen der Geistigen Landesverteidigung - zur Propagierung einer national ausgerichteten Buchkultur, welche die Inhalte der verlegten Literatur wesentlich mitbestimmte. Das «Schweizerbuch» wurde zum Symbol der neuen Wertvorstellungen. Vor dem Hintergrund dieses tiefgreifenden Wandels geht Dahinden auf die erbitterten Kämpfe der Buchhandelsorganisationen gegen die Büchergilde Gutenberg, gegen Emigrantenbuchhändler und -verleger, aber auch auf die sich verhärtende Gangart gegenüber Repräsentanten des reichsdeutschen Buchwesens ein.