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Der Aphorismus als Epos bei Akutagawa Ryunosuke

Eine Gesamtdeutung aus der Perspektive der aphoristischen Tradition im deutschen Sprachraum

Dietmar Heidenreich

Die Grundthese dieser Arbeit erscheint so paradox wie die literarische Gattung, die hier zum erstenmal in der japanologischen Forschung thematisiert wird: Ausgerechnet in dem in Japan fast unbekannten, per Definition nicht-fiktionalen Aphorismus spiegelt sich die geistige Landschaft des großen Erzählers Akutagawa Ryunosuke (1892-1927) wider; damit verbunden ist die Einsicht, daß die Aphorismen erst in der Übersetzung etwas bedeuten. Sich als literaturwissenschaftlicher Beitrag einer Japanologie verstehend, die im Einbezug der weltweiten Kontexte ihre besondere Existenzberechtigung ausmacht, verarbeitet die vergleichende Studie konsequent Anregungen aus der deutschen Aphoristikforschung und findet in Canettis Ausspruch «Die großen Aphoristiker lesen sich so, als ob sie alle einander gut gekannt hätten» ihren Kronzeugenbeleg für die Berechtigung der transkulturellen Betrachtungsweise.
Aus dem Inhalt: Gattung auf der Grenze - Das aphoristische Zeitalter: Tôkyô und Wien, «Kappaland» und «Kakanien» - Ein japanischer «Mann ohne Eigenschaften» - Goethes Begriff des «Dämonischen» bei Akutagawa - Im Wechselspiel mit der Narration: vom Aphorismus in der Erzählung zum Großtext in Aphorismen - Anhang: unkommentierte Aphorismensammlung.