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Theodizee

Die theologische Antwort Paul Tillichs im Kontext der philosophischen Fragestellung

Jörg Eickhoff

Die religionsphilosophische Fragestellung der Theodizee hat zur Zeit in der Forschung Hochkonjunktur: Die Offensichtlichkeit des Bösen in der kontingenten Weltwirklichkeit - kulminierend im Fanal von Auschwitz - und die behauptete Wesenseinheit von Allmacht und Güte Gottes halten die Problemstellung entweder virulent oder aber - resignierend - für obsolet. Wenn die Frage nach der Theodizee nicht nur als hochabstrakte Denkfigur fungieren, sondern zugleich auch der Bewältigung existentieller Kontingenz dienen soll, gilt es, das Gottsein Gottes mit dem Weltsein der Welt in ontologischer Komplementarität zusammenzudenken. Nur so kann deutlich werden: Gott ist nicht der allmächtige, aber apathische transzendente Zuschauer, und seine Liebe ist nicht willkürlich eingreifende Liebe. Vielmehr vergegenwärtigt der im fragmentalen Kairos-Durchbruch offenbar werdende Gott der selbst-entfremdeten Existenz, daß sich in der Christustat die universelle Versöhnung von Gott und Welt im ontologischen Prinzip des Neuen Seins ein für allemal ereignet hat.
Aus dem Inhalt: Aufstieg und Niedergang der philosophischen Theodizee in der Neuzeit (Leibniz, Kant, Hegel, Schelling, Schopenhauer und Nietzsche) - Die Entwicklung im Werk Paul Tillichs vor dem Hintergrund der Frage nach der Theodizee - Exkurs zum Begriff des Kairos.