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Die Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg 1872-1902

Geisteswissenschaftler zwischen Reichsidee und Regionalismus

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Stephan Roscher

Im Mai 1872 wurde in Straßburg eine außergewöhnliche Universität eingeweiht, die eine ganz spezielle Aufgabe im durch den Krieg von 1870/71 wieder deutsch gewordenen Elsaß-Lothringen zu erfüllen hatte. Von den französischen und deutschen Historikern nur am Rande beachtet, verdient diese Universität des Reichslandes, die alles andere als eine simple Germanisierungsanstalt war, eine eingehende wissenschaftliche Behandlung. Auf der Basis des Humboldtschen Universitätsgedankens und der kulturprotestantischen Philosophie der voraussetzungslosen Wissenschaft sollten die Söhne der dem Reich bewußtseinsmäßig entfremdeten Elsässer für Deutschland zurückgewonnen werden. Eine Reihe junger und hungriger Forscher, die vielfach rasch zu Wissenschaftlern erster Güte wurden, identifizierte sich mit dieser Aufgabe und schuf ein ganz besonderes akademisches Charisma. Die Universität prägte die geistige Luft Straßburgs in jener Ära und erzielte Erfolge, was die Integration der Einheimischen betraf, wenngleich sie stets massivem Beschuß durch ihre Gegner ausgesetzt war. Auf Gedeih und Verderb an die Konstruktion des Reichslandes gekettet, vermochte sie dieses nicht zu überleben und ging mit dem für Deutschland verlorenen Ersten Weltkrieg unter.
Aus dem Inhalt: Reichsland Elsaß-Lothringen – Gründung der Universität 1872 und ihre Vorgeschichte – Entwicklung der Hochschule in Wechselwirkung mit der politischen Geschichte – Fakultäten und markante Wissenschaftler – Straßburger Geisteswissenschaftler 1872-1902: Gelehrte, Seminare und Forschungsprogramme – Ansätze und Leistungen in der landeskundlichen Forschung – Der Fall Spahn und seine Bedeutung – Untersuchungen und Statistiken zur Landeskunde und Regionalforschung an der Universität.