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Der Deserteur und Erzähler Alfred Andersch

«Daß nichts dunkel gesagt werden darf, was auch klar gesagt werden kann.»

Maria Elisabeth Brunner

Gegenstand dieser Untersuchung sind jene Züge des Werks von Andersch, die vom modernen Autorenfilm beeinflußt waren. Die Desertion von Alfred Andersch zum Film, das heißt sein jahrelanges Engagement im Bereich des Drehbuchschreibens zeigen die perifilmischen Texte des Autors, aber vor allem seine präfilmischen Texte belegen die Ernsthaftigkeit seines Engagements für den Autorenfilm. Das Werk des von Andersch bewunderten italienischen Regisseurs Michelangelo Antonioni wird in seinen Grundzügen präsentiert und mit dem Roman «Die Rote» von Andersch und seinem filmischen Schreiben in Beziehung gebracht. Daß auch das Schreiben für Andersch nichts anderes war als eine ästhetische bzw. literarische Formung von Erinnerungen, belegt die grundlegende Rolle des Memoria-Aspekts für Anderschs Schreiben. Als Abrundung der Präsentation des Erinnerungs-, Sprach- und Bildraums der Desertion bei Andersch wird abschließend das Motiv der Fahnenflucht im eigentlichen Wortsinne behandelt. Andersch hat in seinen perifilmischen Texten und filmkritischen Arbeiten immer auf dem Primat des Erzähltextes der Literaturverfilmung gegenüber bestanden; in der Praxis jedoch hat er im Roman «Die Rote» gezeigt, daß er durchaus auch optisch dominierte Erzählverfahren beherrscht.
Aus dem Inhalt: Filmische Strukturen in «Die Rote» - Desertion zum Film - Perifilmische Texte von Andersch - Das Vorbild Antonioni - Anderschs Drehbücher: Vom «Russischen Roulette» und «Haakons Hosentaschen» bis zu «Die Brandung von Hossegor» - Das Hörspiel - Desertion oder Code-Wechsel? - Das Motiv der Desertion im Werk Anderschs.