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Mythos und Text

Kolloquium zu Ehren von Ludwig Schrader am 11. März 1992 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Siegfried Jüttner

Die Vorträge zur italienischen und spanischen, französischen und mexikanischen Literatur spiegeln die nicht zuletzt mit der Wahl unterschiedlicher Epochen und Gattungen implizierte Aspekten- und Funktionsvielfalt des Mythos wider: die ästhetische Legitimation als Sinnmythos im Übergang von Renaissance und Barock, die Funktionalisierung als Legitimationsmythos im Spannungsfeld zwischen postromantischer Ernüchterung und neoromantischer Ontologisierung oder schließlich die ambivalenten Entmythifizierungen zur Zeit der Postmoderne. Die Mehrdeutigkeit des Begriffs Mythos - als Erzählung antiker oder nationaler Traditionen, als institutionalisierte Rede oder Kollektivvorstellung - wird darüber einmal mehr sichtbar. Dabei erscheinen Mythen als Fiktionen, die ihren fiktionalen Charakter nicht verbergen können oder wollen, deren Lebendigkeit gerade im ästhetischen Spiel - wie hier in Gedicht, Roman oder Essay - zur Anschauung kommt.
Aus dem Inhalt: Rainer Stillers: Mythologische Poetik in der Dichtung Giovan Battista Marinos - Siegfried Jüttner: Mythen als Lebenswelt: Doña Perfecta von Benito Pérez Galdós - Christoph Strosetzki: Zur Mythenrezeption der 98er-Generation - Bienvenido de la Fuente: El Nuevo Mundo en la poesía de Salvador Rueda - Klaus-Dieter Drissen: Wenn Zeus memoriert: ein «jovialer» Mythos - Karl Hölz: Der besiegte macho. Zur Gesellschaftssatire in Angeles Mastrettas Roman Arráncame la vida - Karl Hölz: Entrevista con Angeles Mastretta.