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Robert Musil und die Mythen der Nation

Nationalismus als Ausdruck subjektiver Identitätsdefekte

Friederich Bringazi

Nationales Bewußtsein konstituiert sich - individuell wie kollektiv - aus dem Wechselspiel zweier gegenläufiger Identitätsprozesse: der Selbstbespiegelung im Eigenen und der Abgrenzung gegenüber Fremdem. In seiner interdisziplinär angelegten Studie rekonstruiert der Autor aus dem Gesamtwerk des österreichischen Dichters Robert Musil (1880-1942) eine systematische Theorie der Nation. Über die Entmystifizierung nationaler Mythen und ihrer Symbole wird die vielbeschworene 'Gemeinschaft' der Sprache, Kultur oder Rasse als ideologische HalluziNation entlarvt. Weil der Ethnozentriker seine negativen Affekte im Rassenvorurteil organisieren muß, erweist sich der Nationalismus als psychologisches System zur Kompensation subjektiver Identitätsdefekte. In neun je für sich lesbaren Essays zeigt die Arbeit, wie aktuell Musils scharfsichtige Diskurse zur (nationalen) Identität auch heute noch sind - oder gerade wieder?
Aus dem Inhalt: Robert Musil - zur Frage der Nation - Mythos Heimat - das verlorene Paradies - Mythos Kultur - ein bedrohter Fetisch - Mythos Sprache - Spiegelbild des Geistes - Mythos Rasse - Klasse statt Masse? - Mythos Masse - Quantität statt Qualität! - Mythos Identität - gleich und ungleich zugleich - Musil und die Juden - Zur Therapie - Öffnung der Grenzen¿