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Ich und der/die Andere in der russischen Literatur

Zum Problem von Identität und Alterität in den Selbst- und Fremdbildern des 20. Jahrhunderts

Christina Parnell

Zu wem setzt sich Russland am Beginn und Ausgang des 20. Jahrhunderts in Beziehung? Auf welchen Differenzqualitäten gründet seine Identitätsbestimmung, und wer sind die Anderen in diesem Prozess? Diese Fragen standen im Mittelpunkt zweier slawistischer Kolloquien, die in den Jahren 1998 und 1999 zum Dichotomie- bzw. Alteritätsdiskurs in der russischen Literatur veranstaltet wurden. Die in diesem Band veröffentlichten Konferenzbeiträge dokumentieren Tendenzen im russischen Denken des 20. Jahrhunderts. Ihre Analyseansätze widerspiegeln die in der slawistischen Forschung aktuelle dekonstruktivistische Sicht auf das russische dichtomomische Denken, einschließlich der Entdeckung seiner nichtdichotomischen Momente. Die Rückschau wird von der Fragestellung nach der Subjektkonstitution in den jeweiligen Zeitabschnitten bestimmt, die sich von der Moderne zur Postmoderne und deren gegenwärtiger kritischer Reflexion bis hin zu einer Neudiskussion des Subjektgedankens bewegt.
Aus dem Inhalt: Peter Barta: Die russische Moderne und ihr exotisches Anderes – Barbara Stempczynska: Zur Frage des Historismus bei Andrej Belyj (Moskau - Die Masken) – Irina Savkina: Das Provinzielle als das Andere in der russischen Frauenliteratur – Brigitte Obermayr: Der Verlust der Exter(r)i(t)orität. Binäres Modelldenken der Tartu-Moskauer Kultursemiotik und die postmoderne Konstellation der sowjetischen Kultur vom Anfang der 1970er bis Ende der 1980er Jahre – Dorothee Gelhard: Vom Einen zum Anderen. Über Levinas’ ethische Philosophie – Hamutal Bar-Yosef: Die jüdische Rezeption Vladimir Solov’evs – Eva Hausbacher: Unlösbare Antagonismen: Das Andere, das Geschlecht und der Körper (Nina Sadur und Valerija Narbikova) – Violeta Attami: Kult der Provokation. Zum Verständnis des Anderen in der Prosa von Sof’ja Kuprjašina – Vida Gudoniene: Sonečka als mythologisiertes Beispiel weiblicher Subjektivität in Marina Cvetaevas «Povest’ o Sonečke» – Svetlana Valiulis: Marijam Juzefovskajas Oktjabrina: Existentielle Dichotomien der Heldin – Piotr Fast: Das Problem der Identität in der Prosa Anatolij Kims – Zsuzsa Hetényi: Heimat und Fremde. Die literarische Selbstidentifikation Lev Lunc’ als russischer Schriftsteller und Jude und die Beziehungen seiner Erzählung «Die Heimat» zur deutschen Literatur (F. Rosenzweig, G. Meyrink) – Nina Gabriėljan: Das Problem des Fremden. Erfahrung einer Selbstanalyse – Christina Parnell: Postdualismus. Konstellationen des Anderen in der russischen Gegenwartsliteratur.