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Zensur als Mißerfolg

Die Verbreitung indizierter deutscher Druckschriften in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts

Stephan Fitos

Notabitur Romae, legetur ergo – was Rom auf den Index setzt, wird gewiß gelesen. Dieses geflügelte Jesuitenwort steht als Motto dieser Arbeit, die mit gezielten statistisch-quantitativen und zensurtheoretischen Methoden aufzuzeigen versucht, daß die Zensur im untersuchten Berichtsraum zum Scheitern verurteilt war. «Zensur» konnte damals nie der wachsenden Literaturflut Herr werden und operierte überwiegend nach Reizsignalen. Wer nicht katholisch war, in einem protestantischen Ort drucken ließ und volkssprachlich schrieb, stand in erhöhter Zensurgefahr. Offenkundig fand vor vielen Indizierungen keine inhaltliche Prüfung der Werke statt. Die Mehrzahl der massiv verbreiteten Druckschrifteninhalte im 16. Jahrhundert spiegelte die gesellschaftlichen Umbrüche und vorhandenen kollektiven Bedürfnisse wider, die über formale Zensurakte nicht aufgehalten werden konnten.
Aus dem Inhalt: Buchzensur im 16. Jahrhundert – Indexgesetzgebung bzw. Indices der katholischen Kirche in diesem Zeitraum allgemein – Zensurtheoretische Methoden – Textsorten bzw. literarische Gattungen im 16. Jahrhundert – Datenbank zu allen zensierten Verfassern in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.