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Situationen höfischer Kommunikation

Studien zu Rudolfs von Ems «Willehalm von Orlens»

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Franziska Wenzel

Der ‘Willehalm von Orlens’ des Rudolf von Ems wurde bisher ausschließlich aus der Perspektive späthöfischer Erzähltraditionen gedeutet. Aus mediengeschichtlicher Sicht bezeugt der Minne- und Aventiureroman eine für die laikale Epik der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts typische und zugleich faszinierende Situation zwischen mündlichem und schriftlichem Erzählen. Neben Analysen zu den Situationen höfischer Kommunikation widmet sich diese Studie besonders den subtilen Kommunikationsstrukturen des Textes. Der ‘Willehalm’, so zeigt sich dabei, leitet seinen Geltungsanspruch nicht ausschließlich aus der Romantradition her, sondern er gewinnt ihn aus der forciert geführten Reflexion medien- und kommunikationsgeschichtlicher Aspekte, die sowohl in Prolog, Epilog und Exkurs als auch im Geschehen selbst zu finden sind.
Aus dem Inhalt: Überblick über die Forschungslage zum ‘Willehalm von Orlens’ – Einführung aus kommunikations- und mediengeschichtlicher Sicht in die historische Situation des Textes – Analyse paradigmatischer agonaler und minnespezifischer Kommunikationsformen in der Elternvorgeschichte – Erörterung zentraler Situationen höfischer Kommunikation in der Hauptgeschichte – Erörterung der höfischen Erziehung und der ihr integrierten Minne – Selbstreflexionen in den Prologen, Epilogen und Exkursen sowie deren Vernetzung mit den Formen der Kommunikation im epischen Geschehen – Textspezifischer Schnittpunkt zweier volkssprachlicher Erzählmuster: das aus der Mündlichkeit kommende Brautwerbungsschema und das genuin schriftliche Artus-Aventiureschema.