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Textile Kunst

Zur Kultursoziologie und Ästhetik gewebter und geknüpfter Bilder

Heinz Meyer

Vor allem die authentischen Web- und Knüpfarbeiten verschiedener außereuropäischer Gesellschaften waren originär Kultobjekte; gleichwohl reizten und reizen sie ästhetisch. Ihre Bedeutung als Kunstwerke wird häufig verkannt, ist aber derjenigen der europäischen Tafelbildmalerei gleichwertig an die Seite zu stellen. Bezeichnenderweise bekannten sich verschiedene prominente Maler eindeutig zu den Anregungen, die sie von der textilen Kunst erfuhren. Inspiriert wurden derart insbesondere die Maler der Klassischen Moderne.
Die Einflüsse der afrikanischen Kunst auf die abstrakte Malerei sind schon seit Jahrzehnten wissenschaftlich dokumentiert. Die von der textilen Kunst ausgehenden Anregungen werden hier im einzelnen dargestellt und in ihrer Bedeutung gewürdigt. Daß dies bisher nicht geschah, beruht unter anderem auf dem gebrochenen Verhältnis der europäischen Kunstgeschichte zu den gewebten und geknüpften Bildern, ferner auf dem durch den Massenkonsum anspruchsloser Kopien verstellten Blick für die authentischen Arbeiten sowie für den Zusammenhang von numinos-kultischem Sinn und ornamentalem Reiz. Letzterer sprach das ästhetisch aufgeschlossene Abendland schon seit der griechischen Antike an. Dies bekundet unter anderem die vielfältige metaphorische Bedeutung der unterschiedlichen Gewebe in den verschiedenen europäischen Sprachen.
Aus dem Inhalt: Der europäische Kunstbegriff und die textilen Werke – Das authentische Schaffen und die religiös-kultische Bedeutung – Material und Technik, Bild und Idee – Numinoser Sinn und ornamentaler Reiz – Vor-bilder und Nach-bilder der abstrakten Kunst Europas – Die metaphorische Bedeutung gewebter und geknüpfter Bilder.