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Neurowissenschaftliche Theorie des Sprachwandels

Ein interdisziplinärer Beitrag zur Theorie des Sprachwandels

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Wolfgang Desnizza

Bisher wurde der Sprachwandel an der Frage nach dem WARUM festgemacht. Historische Entwicklungen einer Sprachgemeinschaft und Gründe bzw. Motive dafür, wie sich im sozialen Umfeld der Menschen sprachlich etwas verändert hat, standen im Vordergrund jeder wissenschaftlichen Untersuchung. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem WIE. Sie zeigt, wie sich der Sprachwandel über neuronales Lernen im Individuum einerseits und über ein Wechselwirken innerhalb der Sprachgemeinschaft andererseits vollzieht. Dieses Lernen erfolgt assoziativ in selbstorganisierter Weise über sogenannte neuronale Karten, also neuronaler Gruppierungen ähnlicher Sprachmuster. Die in dieser Arbeit vertretene These geht von der Tatsache aus, dass für die Steuerung physischer Bereiche des Körpers neuronale Gruppierungen ähnliche Funktion existieren (Kartierungen in der motorischen Rinde, im visuellen System, im Riechorgan usw.). Das Speichern und Abrufen assoziativen Wissens aufgrund von Sprachmustern erfolgt dabei mit Hilfe der Hebbschen Regel nach Häufigkeit, Ähnlichkeit und Relevanz. Die Arbeit überprüft die Theorie auch anhand eines Verfahrens aus der Neuroinformatik, des Kohonen-Algorithmus’. Die Ergebnisse zeigen an einem Beispiel, wie sich in einem bestimmten Zeitraum das Wort DIRNE innerhalb realer Literatur von Goethe, Storm, Heine, Keller und den Erotik-Texten des Institutes für Sexualforschung (Wien) gewandelt hat.
Aus dem Inhalt: Sprachwandel I: Die Invisible-Hand-Theorie – Warum eine neurowissenschaftliche Theorie? – Aufbau und Arbeitsweise des Gehirns: der Isocortex, Neuropsychologie – Biologische Wissensverarbeitung: Lernen und Gedächtnis, Wahrnehmung und Kartenbildung – Selbstorganisation: Sprachwandel in der Natur und in sozialen Systemen – Netzwerke: Lernen in neuronalen Netzen, selbstorganisierte Netze – Sprachwandel II: Visualisierung von simulierten und realen Texten aus der Literatur.