Show Less
Restricted access

Das ästhetische Monster Mensch

Fragmente zu einer Ästhetik der Gewalt

Edwin Kratschmer

Ästhetik ist längst nicht mehr die sterile Lehre vom Ideal-Schönen. Seit altersher hat in praxi neben ihr sowieso immer gegolten: «Schön» ist, was Lust auslöst und Genuss verspricht. Spätestens seit de Sade ist selbst die grausamste Sünde literarisch salonfähig geworden. Im zwanzigsten Jahrhundert hat sich die Ästhetik als philosophische Teildisziplin jedoch zu einer Phänomenologie aller nur möglichen Lüste und Gelüste und eines hemmungslosen Genießens entwickelt, die Täter und Opfer in Kauf nimmt und selbst vor Massenmord nicht Halt macht. Der orgiastische Genuss hat sich als nahezu unendlich steigerbar erwiesen. Damit sind jeder Art, Ab-Art und Abject-Art die Tore in die Freiheit weit geöffnet. Gebote, Gesetze und Verbote können willkürlich gesetzt werden. Infernalische Bosheit und zynische Hingabe an das Obszöne und Böse und selbst der inszenierte Lustmord sind kunstwürdig. Der Künstler ist Schöpfer ohne Scham und Schranke. Abject is in, ethic is out. Anything goes. Die Uralt-Forderung der Ästhetik nach Harmonie ist längst im Gebrüll der Ekstase untergegangen.
Aus dem Inhalt: Die Gewalt des Wortes – Die Crux mit den Meisterdenkern – Der Terror des Schönen – Der Triumph des Bösen – Die Würmer der Angst – Die mörderische Ordnung – Die Lust auf Krieg – Das Feuer des Fanatismus – Die Wucht des Hasses – Das Gelächter zum Tode – Die Schranke im Kopf – Ästhetik der Einmischung.