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Lust am Kanon

Denkbilder in Literatur und Unterricht

Susanne Knoche, Lennart Koch and Ralph Köhnen

Die Kanon-Diskussion ist Ausdruck einer verunsicherten Leserschaft. Schüler und Studierende fragen verstärkt nach verbindlichen Leselisten, um gezielt lesen zu können und literarische und kulturelle Kompetenzen auszuprägen. Das Themenangebot des Bandes kommt diesem Bedürfnis nach und berücksichtigt in den Einzelbeiträgen wichtige Texte aus Mythen, Märchen und moderner Literatur. Die ‘Denkbilder’ – im Sinne Walter Benjamins zur eigenständigen literaturwissenschaftlichen Kategorie avanciert – stehen dabei jeweils im Mittelpunkt der Interpretationen. Es handelt sich um prägnante literarische Bilder, die meist den Kern der Texte ausmachen. Sie bilden ein Sinnzentrum von philosophischen Einsichten, Erinnerungsräumen und diskursiven Bedingungen der Gesellschaft.
Aus dem Inhalt: Monika Schmitz-Emans: Prometheus-Denkbilder bei Walter Benjamin - oder: die Verweigerung einer Definition – Lennart Koch: Sisyphos als Denkbild des Absurden – Bodo Lecke: Superbia versus Temperantia? Das Märchen vom Fischer un syner Fru als sozial- und ideologiekritisches «Denkbild» – Ruth Jasper: Der Schelm als Denkbild? Eine Zugangsmöglichkeit zum Schelmenroman ausgehend von Grimmelshausen Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch (1668) und Continuatio des abentheuerlichen Simplicissimi (1669) – Susanne Knoche: Denkbilder des Lernens und Lehrens bei Karl Philipp Moritz – Markus Steinmayr: Die Textur der Bildung. Goethes Wilhelm Meister – Hans Joachim Schrimpf: Johann Wolfgang Goethe: Faust – Roland Specht-Jarvis: Denkbilder der Romantik in Sophie Tieck Bernhardi von Knorrings Der Greis im Felsen – Ralph Köhnen: «Wenn einem die Natur kommt». Mensch/Maschine in Büchners Woyzeck – Reinhard Wilczek: Die Sehnsüchte der Luise Briest und des Barons Instetten. Über Wunschprojektionen und ihre Folgen – Thomas Roberg: «Was wußten sie, wer er war». Denkbilder der Identität in Rainer Maria Rilkes Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge – Clemens Kammler: Der Untertan als Lehrmeister? Zur Frage der Überlebensfähigkeit eines Kanontextes – Gerhard Rupp: Franz Kafka: In der Strafkolonie – Stefan Braun: Die lehrreiche Geschichte vom Zannowich. Eine Lese-Irritation in Döblins Berlin Alexanderplatz als Möglichkeit der Romanerschließung im Unterricht – Birgit Nübel: «Hinter der Sperre des Glases». Gedankenexperimente in Robert Musils Nachlaß zu Lebzeiten – Kerstin Schulz: Denkbild des Vaters - zu einer Traditionslinie im Werk Thomas Manns – Franz-Josef Payrhuber: Bertold Brecht: Der kaukasische Kreidekreis – Juliane Köster: Im Museo Nazionale. Bildwerke als Erkenntnismittel in Max Frischs Roman Homo Faber – Stefan Jordan: Wer bin ich und wenn ja: wieviele? Die Erzählhaltung als Schlüssel zum Verständnis von Max Frischs Mein Name sei Gantenbein – Elisabeth Paefgen: Schreiben in Konkurrenz zu (bunten) Bildern: «Gelb ist hier anderswo». Ein didaktischer Blick auf einen Tageseintrag aus Uwe Johnsons Jahrestagen – Dieter Hoffmann: Das Denkbild als vermittelnde Kategorie bei der literarischen Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Überlegungen zu Jurek Beckers Roman Jakob der Lügner – Reinhold Frigge: Die Entdeckung der Langsamkeit. Reflexionen zu einem Denkbild der Moderne.