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Der gefangene Paulus

Die Entstehung des sogenannten Römerbriefs und anderer urchristlicher Schriften in Rom

Walter Simonis

Eine genaue literarkritische Analyse des Römerbriefs führt zu der These, daß er nicht ein paulinischer Brief, sondern das Ergebnis eines Redaktionsprozesses ist, dessen drei Stufen sich noch rekonstruieren lassen: Der in Rom gefangene Paulus verfaßte eine Abhandlung, zu der 1,18-11,35 gehörte. Erst anläßlich eines Streites zwischen Juden- und Heidenchristen über Speisegebote und Sabbatbeobachtung machte um das Jahr 90 ein römischer Judenchrist daraus einen Paulusbrief. Dieser wurde nach der Exkommunikation Markions um 13,1-7 und 16,17-20 erweitert und schließlich durch einen Endredaktor, der auch 16,1-16 einfügte, in seine jetzige Form gebracht.
Der innerrömische Streit war auch Anlaß zu weiterer pseudepigraphischer Tätigkeit, als deren Produkte sich u.a. 1 Thess 5, Phil 3,1b-4,3, Kol, Eph und Jak erkennen lassen.
Aus dem Inhalt: Ein kühnes und anregendes Buch, das ein ganz neues Licht auf Paulus und die frühe Geschichte der römischen Gemeinde wirft und die Entstehung eines großen Teils der urchristlichen Briefe erst wirklich historisch verständlich werden läßt.