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Continuum historiale

Zur Synthese von tradierter Geschichtsauffassung und Gegenwartserfahrung im «Reinfried von Braunschweig»

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Otto Neudeck

'Geschichte' besitzt im Minne- und Aventiureroman 'Reinfried von Braunschweig' maßgebliche Bedeutung. Der Historisierung des Handlungsgeschehens scheint allerdings zu widersprechen, daß der ritterliche Fürst Reinfried im Sinne einer höfischen Tradition idealtypische Züge erhält. Das Zusammentreffen von Ideal und Wirklichkeit ist für den Dichter an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert jedoch nicht problematisch. Vielmehr ist ein Miteinander zweier Erfahrungsweisen von Welt zu konstatieren, wenn literarisch überlieferte Welt- und Geschichtsvorstellungen durch Gegenwartserfahrungen überlagert werden: Autoritativ vermitteltes Wissen steht neben autoptischer Erfahrung. In der vorliegenden Untersuchung wird zur Diskussion gestellt, ob in einem 'continuum historiale' - im Einheitsraum der Geschichte - die wahrgenommene Wirklichkeit mit den Vorgaben eines mittelalterlichen Geschichtsbildes zu vereinbaren ist.
Aus dem Inhalt: Geschichtliches im 'Reinfried' - Die Verbindung tradierter Herrschervorstellungen mit der Realität um 1300 - Zur Aporie des christlichen Geschichtsbildes nach dem Fall von Akkon (1291) - Zwischen curiositas und heilsgeschichtlicher Ordnung: der gefährdete Idealstatus des Helden - Die Synthese von Heterogenem in einem Geschichtskontinuum.