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Die Fassbinder-Kontroversen: Entstehung und Wirkung eines literarischen Textes

Zu Kontinuität und Wandel einiger Erscheinungsformen des Alltagsantisemitismus in Deutschland nach 1945, seinen künstlerischen Weihen und seiner öffentlichen Inszenierung

Janusz Bodek

Die 3 Phasen (1975; 1984; 1985/86) der Kontroversen um die Drucklegung und Aufführung von R.W. Fassbinders Theaterstück Der Müll, die Stadt und der Tod stellen nicht nur den bislang größten Literaturskandal der Bundesrepublik dar, sondern liefern - im Schnittpunkt von Ästhetik, Politik und Geschichte - ein suggestives Lehrstück für die Wirkungsweisen einer weitgehend unbeschriebenen Form deutschen Alltags-Antisemitismus': eines «Antisemitismus ohne Antisemiten». Die vorliegende Studie analysiert Voraussetzungen und Struktur des «Literaturskandals» auf seinen verschiedenen Ebenen (Genese der Inhalte im Frankfurter Westendkonflikt und deren Reflex bei G. Zwerenz; Entstehung und Funktion des Fassbinder-Stückes; die Kontinuität antisemitischer Thematik im filmischen Werk von Fassbinder; u.a.m.) und dokumentiert exhaustiv den Ablauf der Kontroversen. Leitgesichtspunkt ist stets der hierbei manifestierte Alltags-Antisemitismus, der in einem sozialpsychologischen Erklärungsansatz als Schuldabwehr-Antisemitismus aufgefaßt wird.