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Animus-Psychologie

Wolfgang Giegerich

Der methodische Mangel fast aller Psychologien ist, daß sie vor ihrem Eigensten, der Seele, ausweichen. Dies liegt daran, daß die Seele nicht positivierbar, sondern Negativität und so «bodenlos» ist. Sie ist in sich widersprüchlich als die dialektische Einheit von ihr selbst («Anima») und ihrem eigenen Anderen («Animus», Geist, Logos). Selbst Jung hat mit dem negativen Element der Seele, dem Animus, nicht genügend ernst gemacht. Ohne sich auf es einzulassen, ist jedoch die Neurose des Abendlandes nicht zu heilen. Erst wenn der Animus als der (der Seele immanente) Töter der Seele ertragen ist, erweist er sich, der Geist der Liebe gewesen zu sein. Und nur wenn seine Negativität ausgehalten wird, muß man nicht vor der verbindlichen Wahrheit des Abendlandes, dem trinitarischen Gott, in Wunschträume vom Matriarchat und von einer Quaternität fliehen.
Aus dem Inhalt: Die Psychologie und der Animus, der Animus und die Psychologie - Einheit von Einheit und Differenz der Gegensätze - Selbstauslegung der Seele - Unwirkliche Psychologie - Selbstaufhebung der Psychologie - Seele und Logik - Blaubart - Inzest - Der Geist als Liebe - Alchemie der Geschichte - Die Trinität als Substanz der Geschichte der abendländischen Seele.