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Die Sozialstruktur der DDR zwischen Wirklichkeit und Ideologie

Eine Analyse geheimgehaltener Dissertationen

Frank Thieme

Zu den Besonderheiten der DDR zählte die Praxis, Forschungsresultate geheim zu halten. Hiervon waren vor allem die der Parteidiktatur nahestehenden Gesellschaftswissenschaften - einschließlich der Doktorarbeiten - betroffen. Über Gründe, Gründlichkeit und die quantitativen Ausmaße der Sekretierung ist lange gerätselt worden. Die Analyse von Dissertationen zur Sozialstruktur zeigt, daß neben formalen Mängeln, die auf diese Weise ebenso vertuscht werden konnten wie der unberechtigte Erwerb des Doktorhutes auf Grund ungenügender Leistungen, es vor allem ungeschönte Informationen über die Probleme des real-sozialistischen Alltags waren, die freier Zugänglichkeit den Riegel vorschoben. Die SED-Machthaber benötigten Herrschaftswissen, dieses durfte nicht dem Klassenfeind in die Hände geraten.
Aus dem Inhalt: Überblick zur Entwicklung der DDR-Soziologie - Welche Doktorgrade wurden vergeben? - Qualitätsmängel als Sekretierungsgrund - Promotionsverfahren als Anpassungsprocedere - Die Sozialstruktur als «geheimhaltungswürdiges» Forschungsgebiet - Geheime Dissertationen als Spiegelbild der Probleme im real-sozialistischen Alltag.