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Geschichte als persönliches Drama

Heiner Müller im Spiegel seiner Interviews und Gespräche

Sascha Löschner

Die Arbeit unternimmt den Versuch, anhand der Interviews und Gespräche Heiner Müllers die Relevanz persönlicher und gesellschaftlicher Verhältnisse für den Autor und seinen Schreibimpuls deutlich zu machen. Nicht nur Müller verfiel nach dem Ende der DDR in eine ‘Schreibhemmung’, in der man die allgemeine Agonie ostdeutscher Intellektueller angesichts des Zusammenbruchs ihres utopischen Potentials zu erkennen glaubte. Hier ist eine differenziertere Betrachtungsweise gefordert. Die späten Texte Müllers laden seine früheren noch einmal auf, die Wirksamkeit ihrer Metaphorik wird unter den jeweils neuen gesellschaftlichen Verhältnissen untersucht und in Frage gestellt.
Müller selbst nimmt Abschied von Bildern, die lange Zeit sein Denken selber strukturiert und geprägt haben. Aber Müllers Fähigkeit, auf gesellschaftliche und persönliche Krisen mit jeweils ganz neuen formalen und inhaltlichen Mitteln reagieren zu können, zeigt sich nach der ‘Wende’, zeigt sich sogar entgegen der eigenen Diagnose eines «Schreib-Blocks».
Das Verständnis zu fördern für die Überwindung ideologischer und formaler Grenzen zugunsten eines ‘universalen Diskurses’ (Müller) setzt sich auch diese Arbeit zum Ziel.
Aus dem Inhalt: Interview als Performance – Theatralisierung des Lebens – ‘Witterungsbedingungen’ der Interviews in Ost und West – Müllers Bild als Ikone – Grenzen der Gattungseinteilung – Der innere Kosmos – Die ‘poetische Landkarte’ Müllers: Deutschland, Europa, USA, Rußland – Motivwahl: Kessel, Bewegung, Mauer(n), Zeit – Poetik/Dramaturgie – Verstrickung – Scheitern – Schweigen.